hinna gans
mannes häas
hemba räas
hunnat hemba
hinna gans
mannes häas
henge räas
räas mäas
beaste räas
 


Herzlich Willkommen auf den Seiten des mittelhesischen Autors Kurt Werner Sänger. Wenn sie krachlederne Burlesken oder humorvolle Büttenreden und Anekdoten in "Hessisch" einschließ-lich diverser Kochrezepte und Trachten erwarten, dann sind sie hier leider auf den falschen Webseiten gelandet. Sollten sie jedoch neugierig sein auf eine Dichtung, die ihre beschauliche Sonntagsheimat auf den Kopf stellt, dann sind sie herzlich willkommen.

Zwischen Alptraum und Sehnsucht 
"Zuerst sind sie high, dann matt - Heimat" (Hartmut Barth-Engelbart)

































    Titelgrafik zu "schwortswaise raabooche", Klaus Schlosser (1986).

Kurt Werner Sänger, geboren im Sommer 1950 in Gönnern, in einem Dorf im Hinterland * am Oberlauf der Lahn im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Lebenswelten in geduckten Stuben und Ställen formen Denken und Sprechen, wird der Dialekt zur ersten erworbenen Sprache und zum literarischen Grenzgang einer Heimatdichtung zwischen Alptraum und Sehnsucht. Die Texte folgen nicht dem Bewahren von Sprache als Reflex auf sich kulturell ändernde Wirk-lichkeiten. Der Hinterländer Dialekt ** gilt dem Autor einzig als literarisches und authentisches Merkmal dörflicher Figuren und Bilder als eine Poesie der Kenntlichkeit dörflicher Spiegel-ungen, Wagnissen und Brüchigkeiten im steten sozialen und kulturellen Wandel. Damit ist der Autor der Wirklichkeit seiner Heimat näher als der populistische Gebrauch derselben.

wann´s raant gie ma heem
wann´s nit raant blaiwe ma häi 
raant´s nit und ma hu ke lost 
gie ma aach heem 
raant´s - breache ma suwisuu 
nit ze blaiwe  
gie ma da heem un wesse nit 
woas ma mache sin 
kinte ma jo aach glaisch häiblaiwe 
feräasgesast - es raant nit

wenn´s regnet, gehen wir heim / wenn´s nicht regnet, bleiben wir hier / regnet es nicht und wir haben keine lust / gehen wir auch heim / regnet´s - brauchen wir sowieso / nicht zu bleiben / gehen wir dann heim und wissen nicht / was wir dann machen sollten / könnten wir ja auch gleich hierbleiben / vorausgesetzt - es regnet nicht.
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* Die regionale Bezeichnung Hinterland führt in die Territorialgeschich­te des Großherzog­tums Hessen-Darmstadt. Als nördliche hinter dem Darm­städter Land gelegene Exklave mit Zentren Battenberg, Biedenkopf und Gladen­bach erhielt der Landstrich aus Darm­städter Sicht die­sen inoffizi­ellen Beinamen zum ehemaligen Landkreis Biedenkopf (1832-1974), heute Landkreis Marburg - Biedenkopf. Der für Fremde oft despektierlich klingende Begriff wird jedoch von den Hinterländern nach der Annexion Preu­ßens (1866) mit lokalpatrio­tischem Stolz besetzt.

** Die Hinterländer Mundart ist eine Varietät mit unterschied­lichen Topo­lekten des Oberhes-sischen. Sie zählt zu den älteren Dialekten in Hessen, deren Strukturen aus dem Althochdeut­schen ableitbar sind und deren Laut­systeme noch dem Mittel­hochdeutschen nahestehen und den westmittel­deutschen, frän­kischen Sprachgruppen angehören. Sie bildet eine Brücke zwi­schen dem mittelhessischen und rheinfränkischen Süden sowie dem nie­derhessischen und nie­der-deutschen Norden und be­nachbarten Regionen des alten Kurhessen und Nassau.



Einen Dialekt "Hessisch" als sprachliches und kulturelles Merk-mal aller Hessen gibt es nicht. Er entspricht dem Neuhessischen der Metropolregion Rhein-Main, eine moderne Ausgleichssprache, ein Medialekt, der unter Dialektologen spöttisch als RMV-Deutsch bezeichnet wird und dessen Popu-larität eingängigen Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie karne-valistischen Kabarettnummern geschuldet ist, von denen selbst der gebürtige Friedberger und Wet-terauer Wolf Schmidt und "Babba Hesselbach" einst gesagt haben soll, es handele sich hierbei um eine Art "Kompromisshessisch", ein mit saurem Wein und seifigem Handkäs ins Hochdeutsche weich geschliffener Frankfurter Dialekt mit vernuschelnden rheinhessischen Elementen eines blauen Bockes. Ein Dialekt, der heute einen Sprachraum etwa von Friedberg bis Mainz und Wiesbaden und von Bad Homburg bis Darmstadt erfasst.


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