hinna gans
mannes häas
hemba räas
hunnat hemba
heanne räas
mannes häas
henge räas
räas mäas
beaste räas
 






wolt of roawe fläie
de sun nof
medde ies gesischd
wolt masch
met miaweln kräie
sundoags im oowedlischd
un wolt nooschds
zöu badlduas ea
dn monnd of
schdange traa
un merra naggischde fee
dn gruuse himl
selwerisch beschdraa

Mit den Raben fliegen
Aus dem Gedichtzyklus Im Toiblingswald, Radierung Klaus Schlosser, 1986, aus: schwortswaise raabooche (a.a.O.).


Die medizinische Topographie des Physikatsbezirkes Gladenbach 1833 Jahresbericht des Mediziners Dr. Deibel vom 12. Oktober 1832 im Landratsbezirk Gladenbach.

Der Physicatsbezirk Gladenbach liegt zwischen dem 50° 42' und 50° 53' nördlicher Breite und zwischen dem 26° 2' und 26° 20' östlicher Länge. Er gränzt gegen Norden an den Bezirk Biedenkopf; gegen Süden an den Bezirk Gießen und das Königreich Preußen; gegen Osten an das Kurfürstenthum Hessen; gegen Westen an das Herzogthum Nassau. Seine höchste Höhe über der Meeresfläche, findet sich auf dem Rachelshäußerkopf, ein Berg zwischen Rachelshaußen, Runzhaußen und Holzhausen und beträgt 1626 Fuß über der Meeresfläche. Der Bezirk hat viele Berge und Anhöhen auf welchen man Hoch- und Niederwaldung findet und ist im eigentlichen Sinn des Wortes, unfruchtbar, rauh und kalt. Außer dem Lahnfluß, welcher den Bezirk in der Gegend von Friedensdorf eine kurze Strecke berührt, finden sich noch folgende Bäche: 1) die Alnau; 2) die Perf; 3) die Dautphe und 4) die Salzböthe.

Die Bevölkerung beträgt gegen 13600 Seelen, in einem Marktflecken 45 Dörfer und 2 Höfe. Das Clima ist wegen der hohen Lage des Bezirks, viel rauher, als in den tiefer liegenden Gegenden um Gießen und nach der Wetterau hin. Die Winter dauern in der Regel 4-5 Monate lang und fangen auf den Anhöhen namentlich in der Gegend von Bottenhorn früher als in den tiefer gelegenen Gegenden des Bezirks an. Der Bezirk ist reich an Mineralien, es sind jedoch nur wenige Bergwerke in Betrieb, wie z.B. der Eisenberg zu Rachelshaußen und Lixfeld und das Kupferbergwerk zu Silberg. Bey Hartenrod wird Gypsspath gewonnen, bey Gladenbach sind Schiefergruben und bey Bischoffen einträgliche Sandgruben. Der Boden ist verschieden, meistens jedoch leicht und mit Heidenerde vermischt; eine Hauptrolle spielt der bläuliche Thonschiefer. Hier und da findet man bläulich graue Kalksteine, etwas Thon und fast bey jedem Ort des Bezirks Lehmboden; dagegen sehr wenig Dämmerde. An magerem und fetten Rindvieh, sowie an mageren und fetten Schweinen, ist kein Mangel und es könnte noch viel mehr geleistet werden, wenn die Bewohner des Bezirkes wovon jedoch einige Orte eine rühmliche Ausnahme machen - Stallfütterung einführten und mehr auf Kleebau und Wiesenverbesserung bedacht wären. Das Pflanzenreich liefert die nöthigen Getreidearten, wie Korn, Gerste, Weitzen, Hafer, Erbsen, Linsen und Heidekorn (-Buchweizen) sowie die erforderlichen Gemüse, wie Kartoffeln, Kohlraben, Rüben, Möhren, Bohnen, Kohl, Gurken, Lattich usw. in hinreichender Menge, dagegen wird Klee, Flachs und Rübsamen (-Raps) wenig gezogen. Die Obstzucht ist sehr vernachlässigt und man beschränkt sich im allgemeinen nur auf gewöhnliche Sorten. Das Steinreich liefert hauptsächlich Eisenstein und Kupfererz, sowie Gypsspath und Dachschiefer.

Die Bewohner des Bezirks sind von mittlerer Größe und in der Regel mit einem robusten Körperbau versehen, worauf Witterung, Nahrung und Kleidung einen sichtbaren Einfluß ausüben. Die meisten Wohnungen sind zweystöckig, von Holz erbaut und größtentheils mit Stroh gedeckt; ihre innere Einrichtung ist selten zweckmäßig, noch schön. Allgemein eingeführt sind die s. g. Kranzöfen - ein aus 5 gegossenen Platten und einem Blechkasten bestehender Ofen - worauf fast das ganze Jahr hindurch gekocht wird, und für die Gesundheit äußerst nachtheilig ist. Die Kleidung der Landleute besteht bey Männern meistens in einem leinernen Kittel und Hosen, in einer wollenen Weste oder einem gestrickten Camisohl, wollenen Strümpfen und stark benägelten- Schuhen. An Sonn- und Festtagen wird anstatt dem Kittel, gewöhnlich ein Gehrock angezogen. Die Kleidung der Frauen, Mädchen, auf dem Lande ist nach den einzelnen Abtheilungen des Bezirks verschieden, keineswegs dem Wechsel der Mode unterworfen, jedoch weder zweckmäßig noch schön und hat sich von dem ältesten Zeiten her erhalten. Dagegen wird in Gladenbach von den wohlhabenden ein bedeutender Aufwand gemacht. Die Reinlichkeit im allgemeinen gehört nicht zu den gangbarsten Artikeln im Bezirk, doch zeichnen sich auch hier wieder einzelne Orte - und überhaupt die wohlhabende Classe vor anderen aus.

Das Reinigen der Straßen ist fast gänzlich vernachläßigt, und man findet mehr Koth als Pflasterstaine. In den Wohnstuben der Landleute wird fast das ganze Jahr hindurch gekocht, gesotten, gebraten und gewaschen, und dabey selten die Luft durch Öffnen eines Fensters erneuert. Die Bettücher und Bettüberzüge - wenn deren da sind - werden bey vielen in 3 Monat nicht gewechselt und es herrscht fast überall die größte Armuth an Weiszeug. Die unmittelbare Reinigung des Körpers geschieht bey den Landleuten wöchentlich ein, selten 2mal und bey vielen wird hieran gar nicht gedacht. Zum Baden ist außer der Nähe des Lahnflußes, wenig Gelegenheit, und wird, wo es möglich ist, nur von der Jugend und namentlich von den Knaben benutzt. Die Hauptnahrungsmittel sind Brod, Kartoffeln, Sauerkraut, Mehlspeisen und Fleisch - frisch und getrocknet -, wie es die Umstände erlauben. Das Brod der meisten Landleute ist zu stark gesäuert, rauh und nicht ganz ausgebacken. Das Weisbrod, welches in Gladenbach gebacken wird, ist gut, weniger findet man dieses auf dem Lande. Die Kartoffeln machen in jeder Jahreszeit das Hauptgemüß aus und erscheinen auf mancherley Art zubereitet in vielen Haushaltungen täglich 2-3 mal. Jeder Hausmann, wenn er nicht gar zu arm ist, schlachtet jährlich 1 auch 2 Schweine. Wildpret, Fisch und Krebse giebt es wenig, und kommen nur auf die Tafel der Wohlhabenden. Kaffee wird viel und wirklich im Übermaß getrunken, jedoch meistens mit einem Zusatz von gebrannten Möhren, Runkeln, Korn oder Cichorien.

Das Wasser ist nach Lage der Brunnen von verschiedener Güte und Reinheit, im ganzen jedoch gut und äußert meines Wissens keinen nachtheiligen Einfluß auf die Gesundheit. Außer Wasser wird Wein, Bier, hauptsächlich aber Brandtwein getrunken, letzterer ist sogar bey vielen zum täglichen Bedürfnis geworden, und wird im Übermaß genossen, so daß Gesundheit und Wohlstand dadurch leiden. Dabey ist der hier gebräuchliche Kartoffelfusel von sehr schlechter Qualität und häufig mit schädlichen Substanzen vermischt. Es finden sich sodann im Bezirk eine übermäßige Anzahl Brandtweinschänken und werden deren täglich noch mehr errichtet. Die Vermögensumstände der Bewohner sind bekanntlich schlecht und es herrscht mehr Armuth als Wohlstand; zumal da ein großer Theil derselben ganz unter der Leibeigenschaft der Geldverleiher seufzet, deren Wohlstand sich in einem Zeitraum von 9 Jahren auffallend verbessert hat, weshalb auch dem baldigen ins Leben Treten der schon lange projectirten Spar- und Leihkassen von vielen Seiten mit Vergnügen entgegengesehen wird. Acker- und Wiesenbau bedürfen noch mancher Verbesserung und ob es gleich der landwirtschaftliche Verein für die Provinz Oberhessen an Unterstützung und Belehrung zum Emporkommen der Landwirtschaft nicht fehlen läßt, so will die gute Sache doch keinen rechten Fortgang gewinnen.

Was die Fortpflanzung betrifft, so kann man im Durchschnitt auf ein Ehepaar 4 - 6 Kinder rechnen. Hurerei und wilde Ehen sind nicht selten. Die meisten Bewohner bekennen sich zur evangelischen Religion, außer diesen findet man einige Katholiken und etwa 120 Juden. Seitdem die Schulen mit besseren Lehrern besetzt sind, ist der Unterricht gut und ihr wohlthätiger Einfluß auf die Jugend ist nicht zu verkennen. Die Krankheiten, welche unter den Bewohnern des Physicatsbezirk Gladenbach, am meisten vorzukommen pflegen, sind folgende: Sowohl das Clima als die Lebensart bringen es mit sich, daß catarrhalische, rheumatische und gastrische Leiden eine Hauptrolle spielen und am häufigsten vorkommen. Die leichte Bekleidung, die übermäßig heißen Stuben, der öftere Wechsel der Temperatur und Witterung, sind Momente wodurch leicht Verkältungen stattfinden können. Ebenso werden durch den übeimäßigen Genuß im Essen und Trinken gastrische Störungen veranlaßt und man findet diese Classen von Krankheiten meistens das ganze Jahr hindurch.

Außer diesen findet man hauptsächlich im Frühjahr bei anhaltendem Nord-, Nordost- und kaltem Südostwind Entzündungskrankheiten, wie z.B. Lungen-, Brustfell- und Halsentzündungen, zuweilen auch Augenentzündungen und Rosen. Im Sommer gibt es in der Regel wenig Kranke, es zeigen sich wohl gegen das Ende hin, hier und da Diarrhoe und ruhrartige Durchfälle, Colik und sporatische Cholera, als Folge von Erkältung und dem Genuß unreifer Früchte und überhaupt schlechter Nahrungsmitel. Masern, Rötheln und andere Ausschlagskrankheiten finden sich zuweilen auch in dieser Zeit. Im Herbst nehmen die Krankheiten wieder mehr den entzündlichen Charakter an, und man findet außer Hals- und Augenentzündungen, Schnupfen, Husten und Gliederreißen, nicht selten Oedeme und Wassersuchten. Im Winter finden ich sodann vorzugsweise rheumatische und Catarrhalische Affecte aller Art ein, wie z.B. rheumatisches Seitenstechen, Husten, Schnupfen und Halsweh. An Hämmorrhoidalbeschwerden leiden viele und Scrofelkrankheit, Rachitis und Atrophie kommen häufiger vor, jedoch selten in ärzliche Behandlung. Seit mehreren Jahren erscheinen mit jedem Frühjahr die modificierten, Menschenblattem, im Gefolge von Rötheln, Masern und falschen Pocken. Das Wechselfieber bringen die beurlaubten Soldaten, welche in Worms garnisonieren und in der Regel die Trescher mit. Flechten und Krätze sind nicht selten, dagegen leiden nur wenige an venerischer Krankheit. Nerven- und Faulfieber erscheinen selten und ich habe in den 10 Jahren wo ich hier bin nur eine Nervenfieber-Epidemie beobachtet.


Hinterländer Totentanz


    Foom Duud e Bild mache
    Vom Tod ein Bild machen

    Foto: Copyright (alle Rechte) by Dr. Rudolf Kraft, Angelburg 2006, Veröffentlichung
    mit Genehmigung des Urhebers.


Erster Gesang 
Der Tod als der Allmächtige

Der Chor
Duud - Döu beast ois de gruuse Meesta    
Tod - Du bist uns der große Meister

Der Prediger
Haleluuja

Blegsd jerem sai Lewe fea ima deam
     Pflückst jedem sein Leben für immer dem
Oame wäi deam Rasche - Döu Duud ala
    wie dem Reichen - Du Tod aller
Met Dia giat ales falon
     Mit Dir geht alles verloren
Hut de Zait of ze schlo
     Hört die Zeit auf zu schlagen
Met Dia hut ales of - het ales sai En
     Mit Dir hört alles auf - hat alles sein Ende
Griesch wäi Faindschoft un Ea
     Krieg wie Feindschaft und Ehre
Met Dia blait de Wält hina ois
    Mit Dir bleibt die Welt hinter uns
Als zareasene Wolge im Weand
    Als zerrissene Wolke im Wind
Dia gehut jeda: Man, Fraa un Keand     
    Dir gehört jeder: Mann, Frau und Kind
Wäi ales anare of de Ea oom En doch     
    Wie alles andere auf der Erde am Ende doch
Näad blair ois - goanäat!
     Nichts bleibt uns - gar nichts!
Niremool ean Schwoare fo ois sealbst
     Nicht einmal ein Schatten von uns selbst

Un doch: Met Dia kimt alles bajenee
    Und doch: Mit Dir Kommt alles beieinander
Sai ma ois sealbst ie Dia
    Sind wir uns selbst in Dir
Ean jeda fea sasch un alee
    Ein jeder für sich und allein
Döu beast jerem Diena un Här
     Du bist jedem Diener und Herr
Deam Ooschdenische wäi saim Fabrescha
    Dem Anständigen wie seinem Verbrecher
Deam Möada wäi saim Obfa
    Dem Mörder wie seinem Opfer
Deam Kraanke wäi saim Dokta
    Dem Kranken wie seinem Doktor

Beast Rischta und Duureknaaschd ie Eam
    Bist Richter und Totenknecht in Einem
Nimst de da doas woas de suwisu kräie kaast
    Nimmst Dir das was Du sowieso kriegen kannst
Oom En alee wäis da zöuschdiat    
    Am Ende allein wie es Dir zusteht
Groat su wäi ma Dia ies Laischeduch schdolban    
    Gerade so wie wir Dir ins Leichentuch stolpern

Dai Mäal laigd noom Lewe
    Dein Maul leckt nach dem Leben
Härb un beata schmaigd Dain Kus
    Herb und bitter schmeckt Dein Kuss
Beatasoise Läibschoft
     Bittersüße Liebschaft
Ean Läfel Huink of e droge Hurefut!
    Ein Löffel Honig auf eine trockene Hurenfutt!

Ean Schnaps noch? - Noch e Aggzje!
    Einen Schnaps noch? - Noch eine Aktie!
Döu logsd ois baizaire zöum Daans eräas
     Du lockst uns beizeiten zum Tanz heraus
Lesd ois hebe un schbreange - nie!
    Lässt uns hüpfen und springen - hinein!
Ies ofgeschbante Laischeduch
     Ins aufgespannte Leichentuch
Ean jeda Laib no saim Raaje
    Ein jeder Leib nach seinem Reigen


Zweiter Gesang
Der Tod und die Gewissheit

Der Chor
Duud - Döu beast ois de gruuse Meesta
Tod - Du bist uns der große Meister

Der Prediger
Haleluuja


Döu schledst de Takt - kea soiht den Trumla
    Du schlägst den Takt - keiner sieht den Trommmler
No deam mia daanse und Dia fafan
    Nach dem wir tanzen und Dir verfallen

Deam Daans sai mia Dia oom En faschbroche
    Diesem Tanz sind wir Dir am Ende versprochen
Beast Döu ois schu ofm Daansbiare baigegeawe
    Bist Du uns schon auf dem Tanzboden beigegeben
Wann Döu ois ieledst un roifst: Komt häa!
    Wenn Du uns einlädst und rufst: Kommt her!
Met lere Däsche un Hen
    Mit leeren Taschen und Händen
Als de lädste Daans of den mia ois
    Als den letzten Tanz auf den wir uns
E Lewe lang ofmache
    Ein Leben lang aufmachen

Wäi mia Dasch ie ois tra
    Wie wir Dich in uns tragen
Ie Daim kaale Häas ze wuun
     In Deinem kalten Haus zu wohnen
Ie doas mia ietreere mire uune ozeklobe
     In das wir eintreten müssen ohne anzuklopfen
Hina deam Döu de Dea zöuschledst
    Hinter dem Du die Tür zuschlägst
Wan ma fea ima do sai
    Wenn wir für immer da sind
Ean jeda no saim Weg - wäi wait un
    Ein jeder nach seinem Weg - wie weit und
Schdeenisch aach ima
    Steinig auch immer

Döu triumfiasd eawa Got un de Doiwel
    Du triumpfierst über Gott und den Teufel
Alee - Döu beast ois geweas!
    Allein - Du bist uns gewiss!
Dasch mire ma oneame
    Dich müssen wir annehmen
Als de Ezischde den ma nit beträie kin
    Als den Einzigen, den wir nicht betrügen können

Döu nimsd ois foom Plooche, Schachan un Schean
    Du nimmst uns vom Plagen, Schachern und Schinden
Uune Häas, Geald un Schoia kimt Dai Raisch
    Ohne Haus, Geld und Scheuer kommt Dein Reich
Döu nimsd ois o de lädste Haand
    Du nimmst uns an die letzte Hand 
Giast mer ois nagischd   
    Gehst mit uns nackt
Ofn lädste Weeg boarwes - uune Hemd un ales    
    Auf den letzten Weg barfuß - ohne Hemd und alles
Wäi ma gekome sai - gie ma
     Wie wir gekommen sind - gehen wir
Nimsd Döu ois foom lädste Desch un Schobbe weg
    Nimmst Du uns vom letzten Tisch und Schoppen weg
Uune nochemool Loft ze schnabe groat su
     Ohne noch einmal Luft zu schnappen gerade so
Wäi ma de lädste Bleame blegd
     Wie man die letzten Blumen pflückt
Un im lädste Soifza ärschdegd de Sun im Himl
    Und im letzten Seufzer erstickt die Sonne im Himmel
Fält de Weand of de Ea roab un
     Fällt der Wind auf die Erde herab und
Hält sain Oore o - fea ima un ales eas schdel
     Hält seinen Odem an - für immer und alles ist still


Dritter Gesang
Der Tod und das Geschäft

Der Chor
Duud - Döu beast ois de gruuse Meesta
Tod - Du bist uns der große Meister

Der Prediger
Haleluuja


Wan Döu kimst un ois langst
    Wenn Du kommst und uns holst
Kosts deam oame Man sai Geald
    Kostet es dem armen Mann sein Geld
Beast Döu ois doira als wäis Lewe
    Bist Du uns teurer als (wie) das Leben
Nimsd ois de lädste Grosche weg
    Nimmst uns die letzten Groschen weg

Met Dia raiwe sich de Geschäftsloire de Hen
    Mit Dir reiben sich die Geschäftsleute die Hände
Fea de Särsch, de Grenze uns Groab
    Für die Särge, die Kränze und ́s Grab
Fean Peana, feas Glokeloire un de Gemee
    Für den Pfarrer, für ́s Glockenläuten und die Gemeinde
Als doas lädste Geschäft, doas Döu beast
    Als das letzte Geschäft, das Du bist
Doas ma oom En nit gebreache kin
    Das wir am Ende nicht gebrauchen können

Da reacheln de Henela sich ea Profitschje äas
    Dann rechnen die Händler sich ihr Profitchen aus
Dasch noch ofzereacheln ims doire Geald
    Dich noch aufzurechnen um ́s teure Geld
Da beast Döu deam Rasche ea gruuses Gleg
     Dann bist Du dem Reichen ein großes Glück
Als Fasicherunghaanel im Duud merenee
     Als Versicherungshandel im Tod miteinander
Däres im Lewe härnoo wairagiat
     Dass es im Leben hernach weitergeht
Fea de Räachelunge un de Ärbschofte
    Für die Rechnungen und die Erbschaften
Woas deam oame Mann ie Scholde nit geret
    Was dem armen Mann in Schulden nicht gerät
Feas Schdäarwe aach noch im Lewe ze bezoaln
     Für ́s Sterben auch noch im Leben zu bezahlen


Vierter Gesang
Der Tod und der Krieg

Der Chor
Duud - Döu beast ois de gruuse Meesta
Tod - Du bist uns der große Meister

Der Prediger
Haleluuja


Wan se weramool e Gesäds mache
    Wenn sie wieder einmal ein Gesetz machen
Met Gotes Seje weramool ien Griesch zäie
    Mit Gottes Segen wieder einmal in den Krieg ziehen
Un dea kleene Man kräits Haleluuja gebloose
    Und der kleine Mann bekommt ́s Haleluja geblasen
Fea e Amän sisch duutschäise lese
    Für ein Amen sich totschießen lassen
Beast Döu schu de Uschde, dea de Saase hoart 1
    Bist Du schon der Erste, der die Sense dengelt
Un dea sai Laischeduch ofhält noom lädste Gebeet
    Und der sein Leichentuch aufhält nach dem letzten Gebet
Wan de Peana noch emool sai Kolägde zeelt
    Wenn der Pfarrer noch mal seine Kolekte zählt
Däi de Gadolischde met Wairauch faniweln
    Die die Katholischen mit Weihrauch vernebeln
Ie jerem saim äjene Gotes Noome
    In jedes eigenem Gottes Namen
Jerem saim geraaschte Got sisch mache
     Jedem seinen gerechten Gott sich machen
Su wäi sen groat gebreache kin
     So wie sie ihn gerade gebrauchen können
Fea härnoo ofm Altar fea de Schwaiza Banke
     Für hernach auf dem Altar vor den Schweizer Banken
Sisch al wera merenee
     Sich alle wieder miteinander
Im Geald sasch glasch mache
    Im Geld sich gleichmachen
Jeda met saim äjene Numankonto un Schläisfach
     Jeder mit seinem eigenen Nummernkonto und Schließfach
Doas grisa eas als deam kleene Man sain Bruutkaste
    Das größer ist als dem kleinen Mann sein Brotkasten
Wäis den Widwe groaremool glasch gesai ka
     Wie es den Witwen gerade einmal gleich sein kann
Ina woas fea e Numa eare Mena
     Unter was für einer Nummer ihre Männer
Ofn fremde Soldoatefriedheefe begroawe laije
    Auf den fremden Soldatenfriedhöfen begraben liegen
Un ofm Amt als Widwe merem Haaf Kean
    Und auf dem Amt als Witwe mit einem Haufen Kinder
De Numanraie gezooche kräie
    Die Nummernreihe gezogen (bekommen) kriegen
Im droozekome fea de ofgebogelte Scholde
     Um dranzukommen für die aufgebuckelten Schulden
Däi se heanehäa aach noch bezoaln mire
     Die sie hinterher auch noch bezahlen müssen
Fea däi Härn da wera no dearem Gesäds no
    Für die Herren dann wieder nach deren Gesetz nach
Wan se sich da nit noch feahäa sealbst imbrenge
    Wenn sie sich dann nicht noch vorher selbstumbringen
Wail de Nuut grisa eas
    Weil die Noot größer ist
Als wäis Gleg im Sagduch
    Als wie´s Glück im Taschentuch
No deam näad mie kimt - Goanäat näad mie!
     Nach dem nichts mehr kommt - Garnichts mehr!
Un oom En Döu dai Laischeduch treawa hälst
     Und am Ende Du dein Leichentuch drüber hälst
Äawa se al - Domet kea mie dofoo futkimt!
     Über sie alle - Damit keiner und mehr davonkommt!
Un däi do wooche es Mäal ofzemache
     Und die dort wagen das Maul aufzumachen
Däi wean feahäa schu
     Die werden vorher schon
Als Fatalaandsfareera hiegerischd
    Als Vaterlandsverräter hingerichtet


Fünfter Gesang
Der Tod und das Siechtum

Der Chor
Duud - Döu beast ois de gruuse Meesta
Tod - Du bist uns der große Meister

Der Prediger
Haleluuja


Wann döu kimst hets Lääd ea En
    Wann Du kommst hat das Leiden ihr Ende
Beast Döu ois baizaire de lädste Rädung im Lewe
    Bist Du uns beizeiten die letzte Rettung im Leben
Feam Dokta, fea de Kraankekase un feam Abediega
    Vor dem Doktor, vor der Krankenkasse und vor ́m Apotheker
Beast Döu ois su gnädisch wäi niremool
    Bist Du uns so gnädisch wie nicht einmal
De läiwe Got un de Peanna gesai ka
    Der liebe Gott und der Pfarrer sein kann
Däi Sorje un Last hina ois ze brenge
    Die Sorgen und Lasten hinter uns zu bringen
Däi niemeds mer ois däält
     Die niemand mit uns teilt
Wan ois de Laib im Gräbs fafäalt
    Wann uns der Leib im Krebs verfault
De Därme im lewendischde Laib offrest
    Die Därme im lebendigen Leib auffrisst
Es Blöut fageft uns Flääsch foon Gnoche fält
    Das Blut vergiftet und das Fleisch von den Knochen fällt
Däss ma ies Bät scheise mire
    Dass wir ins Bett scheißen müssen
Un da merem Kornsche gefoan mire wearn
    Und dann mit einem Karren gefahren müssen werden
Im nochemool Loft ze schäbe
    Um noch einmal Luft zu schippen (schnappen)
Beast Döu ois doas gruuse Gleg
    Bist Du uns das große Glück
Sisch dofoo futzemache
    Sich davon fort zu machen
Wann ma sealbst foom Got unem Doiwel
     Wann man selbst vom Gott und dem Teufel
Fagease woan sai wäi schu im Lewe feahäa
    Vergessen wurden wie schon im Leben vorher
Niemeds gefroot het noom äjene En
    Niemand gefragt hat nach dem eigenen Ende
Wu de Häl oofengt un wu se ofhält
    Wo die Hölle anfängt und wo sie aufhört
Es Lischd faläschd wäis Hern ofhält
    Das Licht verlöscht wie das Hirn aufhört
De Zung äasm Mäal fält wäi de fäale Zie
    Die Zunge aus dem Maul fällt wie die faulen Zähne
Da beast Döu bai de Schdäl
    Dann bist Du zur Stelle
Uune däs ma Dasch gerufe hu
    Ohne dass wir Dich gerufen haben
Beast Döu oom En doas grisare Gleg
    Bist Du am Ende das größere Glück
Als wäi e schlaaschd Lewe im lewendische Sarsch
    Als wie ein schlechtes Leben im lebendigen Sarg
Feam läiwe Got un fea de Fawaandschoft
    Vor dem lieben Gott und vor der Verwandtschaft
Läiwa Duud - da mire ma dia danke där es Dasch giat
    Lieber Tod - dann müssen wir dir danken, dass es Dich gibt


Sechster Gesang
Der Tod und der Selbstmord

Der Chor
Duud - döu beast ois de gruuse Meesta
Tod - du bist uns der große Meister

Der Prediger
Haleluuja


Wan mas Lewe lääd sai beast de nit do
    Wenn wir das Leben leid sind bist du nicht da
Mire ma ois sealbst imbrenge
    Müssen wir uns selbst umbringen
Merem Schusaberat 2 im Käla
    Mit einem Schussapparat im Keller
Wail de Fraa futgelaafe eas - meren Kean
    Weil die Frau fortgelaufen ist - mit Kindern
Dn Bogel fol fo Scholde hu
    Den Buckel voll von Schulden haben
Däs ma sisch im Pods 3 ofhenke mire
    Dass man sich im Potz aufhängen muss
Im grooe Weanta noom Näawejoa
    Im grauen Winter nach dem Neujahr
Inam Schnäi besofe ois hielääje un äafräise
    Unterm Schnee besoffen uns hinlegen und erfrieren
Un im Waald foon wele Säa gefrease 4 wean
    Und im Wald von wilden Säuen gefressen werden
Wäi ma sisch sealbst im Puns 5 äasäfe
    Wie wir uns selbst im Teich ersaufen
Inam Ais hot gefroan heane im Weanta
    Unterm Eis hart gefroren hinten im Winter
Wan ma sisch nit schu feahäa
    Wenn wir uns nicht schon vorher
Ie de Weatschoft duudgeschlo hu    
    In der Wirtschaft totgeschlagen haben
Baim Koarteschbien un Schnabs
    Beim Kartenspielen und Schnaps
Ims Geald un Scholde faraige
    Ums Geld und Schulden verrecken
Wäi mas Lewe hina ois brenge
    Wie wir das Leben hinter uns bringen
Un da als noch geschole kräie
    Und dann immer noch beschimpft werden
Wan de Doache schu su schwoads sai
    Wenn die Tage schon so schwarz sind
Wäi de Nooschd im Fischdewaald oom Lewe frest
    Wie die Nacht im Fichtenwald am Leben frisst
Met al sain Geschbensta ois page
    Mit all seinen Gespenstern uns packt
Un de Borads 6 merem Duureglägsche bimelt
    Und der Boratz mit dem Totenglöckchen bimmelt
Merem gruuse Mäal un schoarwe Zie
    Mit einem großen Maul und scharfen Zähnen
Däss näad fo ois blait als wäi de äjene Duud
    Dass nichts von uns bleibt als wie der eigene Tod
Den ma da mool sealbst ie de Haand neame mire
    Den wir dann mal selbst in die Hand nehmen müssen
Wan man emool sealbst gebreache kin
    Wenn wir ihn einmal selbst brauchen können
Da beaste nit do un mia oi Groab
    Dann bist du nicht da und wir unser Grab
Aach noch feahäa sealbst geschäfeln mire
    Auch noch vorher selbst schaufeln müssen
Wail Sealbstmöada foon Frome
    Weil Selbstmörder von den Frommen
Nit odlisch beerdischd wean
    Nicht ordentlich beerdigt werden
Un aach noch oom Groab geschole kräie
    Und auch noch am Grab beschimpft werden


Siebenter Gesang
Der Tod und das Ende vom Lied

Der Chor
Duud - Döu beast ois de gruuse Meesta
Tod - Du bist uns der große Meister

Der Prediger
Haleluuja


Döu breachst ois Lewendische
    Du brauchst uns Lebenden
Im sealbst de gruuse Meesta ze sai
    Um selbst der große Meister zu sein
Uune ois beast Döu groaremool goa näat
    Ohne uns bist Du gerade einmal gar nichts
Un doas glääwe ma fea Dasch met
    Und das glauben wir für Dich mit

Un näad fo Dia lait ie Gotes Haand
    Und nichts von Dir liegt in Gottes Hand
Nua ie ois sealbst beast Döu oin Dääl foom Lewe
    Nur in uns selbst bist Du eine Teil vom Leben
Uune Lewe giats kean Duud
    Ohne Leben gibt es keinen Tod

Wäi de Säa ie de Worscht ea Wairakome het
    Wie die Sau in der Wurst ihr Weiterkommen hat
Su blair ois nua de Hofnung
    So bleibt uns nur die Hoffnung
Dasch merem läiwe Got
    Dich mit dem lieben Gott
Ofs ewischde Lewe ze gewean
    Auf ́s ewige Leben zu gewinnen

Wäim Tetzel saim Lodo
    Wie im Tetzel seinem Lotto
Als Trick ien Himl geschriawe
    Als Trick in den Himmel geschrieben
Da met den foo ois sealbst ogerufene un
    Dann mit den von uns selbst angerufenen und
Ie Schdee gehaachene Göta und Katedraale
    In Stein gehauenen Götter und Kathedralen
Dia Duud noch e Schnäbsche ze schloo
    Dir Tod noch ein Schnäppchen zu schlagen
Sundoags im Halbälf - noom Fataunsa
    Sonntags um Halbelf - nach dem Vaterunser
Heane rim foom Finanzamt
    Hinten herum vom Finanzamt

Im goschdische Zorn un gebogelta Frömelai
    Im garstigen Zorn und gebuckelter Frömmelei
Wäi ie er Rewolte su im Hailsfaschbreache
    Wie in der Revolte so im Heilsversprechen
Dn Duud nit fürschde mire
    Den Tod nicht fürchten müssen
Sulang de Broore im Bagoowe
    Solange der Braten im Backofen
Sai Bäiakroste behält
    Seine Bierkruste behält
Un däi Doomgewölwe ois nit
    Und die Domgewölbe uns nicht
Of de Käbe praseln und
    Auf die Köpfe prasseln und
Mere ien Scherweln ois sealbst noch
    Inmitten der Scherben uns selbst noch
Im Duud fea Got un feam Peana fafluche
    Im Tod vor Gott und dem Pfarrer verfluchen
Wail mia noch lang nit doas sai
    Weil wir noch lange nicht das sind
Woas man ois su feageschdaalt hare
    Was wir uns so vorgestellt hatten

Un sai ma da mool woas woan
    Und sind wir dann einmal etwas geworden
Kin mia jo aach nit ima ales glaisch kräie
    Können wir ja auch nicht immer alles gleich bekommen
Schu goanit des ewischde Lewe
     Schon gar nicht das ewige Leben

Su ear es da mool oom Bäste
    So ist es dann einmal am Besten
Mia sai da groaremool goanäad
    Wir sind dann gerade einmal gar nichts
Un neame ois doas, waos ma kräie kin
    Und nehmen uns das, was wir kriegen können
Da sai ma ie Gotes Noome alee nua doas
    Dann sind wir in Gottes Namen allein nur das
Woas ma hu un oom En doija bezoaln mire
    Was wir haben und am Ende teuer bezahlen müssen

Feräasgesast - mia schdearwe nit schu feahäa
    Vorausgesetzt – wir sterben nicht schon vorher
Su haalts Mäal un bezoalt ie Gots Noome
     So haltet´s Maul und bezahlt in Gottes Namen
Gedelisch äa ofgebogelte Scholde
    Geduldig eure aufgebuckelten Schulden

Der Chor
Duud - Döu beast ois de gruuse Meesta
Tod – Du bist uns der große Meister

Der Prediger
Amen


1 Saase hoarn - Sense dengeln: Das Schärfen der Sensen wurde durch filigrane Ham­merschläge auf die Schnittkante der Sense über einem Dengel- Amboss bewerkstelligt. Dieses Dengeln der Sensen, das Plätten des Metalls auf Haaresbreite (hoarn - haaren), ging am Vorabend der Ernte als monotones, metallenes Klopfen weithin hör­bar durch die Dörfer. Hier steht es für die Vorankündigung des "Sensenmannes" und des Todes. 2 Schussapparat - Bolzenschussgerät, zum Töten des Schlachtviehs, hauptsächlich Sauen. In der Jugendzeit des Autors hat es allein im Dörfchen vier Selbstmorde und einen Totschlag gegeben, ein weiterer hat sich zu Tode gesoffen, ein anderer im Suff das Genick gebrochen. 3 Pods - Eigenname für eine Nebenkammer in der Scheune, Futterkammer. 4 Todesursache einiger „Stempler“ (um Unterstützung nachsuchende Arbeitslose, deren Beihilfe in einem Stempelbuch geführt wurde), die ihre Unterstützung im Wirtshaus versoffen und sich im Suff unterm Schnee zum Sterben hingelegt haben. Nach der Schneeschmelze im Frühjahr hat man deren von Wildtieren angefressenen Leichen gefunden. 5 Puns - Eigenname für einen kleinen Teich am Haus, auch Feuerlöschteich. 6 Borads - Marder, der nachts in Scheunen und Ställen sein Unwesen treibt, Hühner und Enten frisst. Um seiner habhaft zu werden, hat man ihn in Fallen gefangen und ihm ein Glöckchen umgebunden, ähnlich bei zahmen Frettchen, die zur Jagd einge­setzt wurden.



Deheem - Daheim
Foto: Kurt Werner Sänger, Privatbesitz, Greimisch, Angelburg Gönnern, um 1978.

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