hinna gans
hemba räas
mannes häas
hunnat hemba
hinna gans
mannes häas
henge räas
räas mäas
beaste räas
 


Foom Freasse, Faroore un Imbrenge.
Vom Fressen, Verraten und Umbringen.

Die Taube gilt in vielen Kulturen als das Symbol des Friedens und als christliches Symbol des Heiligen Geistes. Aber hier sind es die Tauben, die durch Intrigen und Verrat ein mörderisches Blutbad unter dem Federvieh herbeiführen, das sonst nur dem Fuchs zugeschrieben wird. Hier nun erwischt es ihn endgültig und für alle Tage selbst. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder politischen Verhältnissen im Umfeld des Autors sind nicht ausgeschlossen, wenn auch nach reinstem Gewissen in Ehrfurcht vor Gott, dem Landratsamt und dem Hahn des Hessischen Justizministers nicht beabsichtigt.

Es woa emool ean Foks, dea wollt e Huingel freasse. Äawwa doas Huingel wollt nit gefreasse wean. Do säät doas Huingel deam Foks, he sillt´n aal Giggel freasse. Dea wea suwisu baal droo un raif fean Kochgrobbe. Do moschd sisch dea Foks noom Giggl. Wäi dea Foks baim Giggel woa un den freasse wollt, froot dea Giggel den Foks, worim deere da nit däi Gense freasse? He wea´s Leewe lang nua hinnan Hoinga häagelaafe un dobai su dorr woan, wäi nirremool e Gebinsche Schdruu gesai kinnt. O eam wea näad ze freasse, nua Fearran un Gnoche. Do moschd sisch dea Foks bai de Gense. Däi sääre äawwa, he sillt doch nochemool of Kreastdoag werrakomme, da wean se da aach oddlisch fädde un goa noch ze broore. He sillt sisch doch däi Däwwe foom Dach lange, wann he groat suu´n uuflerischde Hunga hät. Däi Däwwe wean zöu näat göut, nua zöum Freasse. Do schdäig dea Foks noon Däwwe nof. Däi Däwwe äawwa flooche fut un räife´m äas de Loft, he sillt sisch doch doas Huingel lange. Do sucht dea Foks werra doas Huingel. Doas Huingel woa äawwa näad mie do. Doas hat de Giggel allwail duutgepeggd, wail doas Huingel deam Giggel de Foks geschischd hat. Ai wäi kunnt dea Giggel doas da wesse? - froot dea Foks. Doas woan däi Däwwe. Däi Däwwe harre´s deam Giggel heannerim faroore. Do sucht dea Foks werra den Giggel. Dea Giggel woa äawwa näad mie do. Den harre de Gense allwail ie´n Wassagroawe geschdumbt un äasoffe, wail dea Giggel den Gense de Foks geschischd hat. Ai wäi kunnte däi Gense doas da wesse? - froot dea Foks. Doas woan däi Däwwe. Däi Däwwe harre´s den Gense heannerim faroore. Do sucht dea Foks werra de Gense. Däi Gense woan äawwa näad mie do. Däi harre de Däwwe allwail foo uuwe met Schdeecha zöugeschmeasse un ärschloo, wail de Gense den Däwwe de Foks geschischd harre. Do sucht dea Foks werra de Däwwe. Däi Däwwe woan äawwa näad mie do. Däi Däwwe woan schu werramool futgeflooche. Doas ärjerte den Foks, wail su 'e Imbrengerai woa jo keam foom Noddse. Un do kreeschd dea Foks ean gruuse Rappel, bäis sisch in ääjene Äarsch un frass sisch fo heanne häa sealbsd of. Bes näad mie foom do woa. Nua sai Mäal, doas bläib foom laije. Es kunnt sisch jo aach schlaaschd noch sealbsd gefreasse. Un däi Däwwe? - Of däi luurte schu de Habischd! Äawwa doas eas werramool e aanare Geschischde.

Reinekes Ende

Einmal, als es keine Mäuse mehr gab, besann Meister Reineke sich wieder auf das Federvieh. Er schlich in einen Hühnerhof und stürzte sich auf eine alte, magere Henne. „Asch will dasch freasse!" - raunzte er der Unglücklichen zu. Dann packte er sie mit seinen grausigen Zähnen. Aber die Henne fürchtete weder den Fuchs noch den Tod. Sie zappelte sich aus seinem Maule heraus, ordnete ihr Gefieder und sagte: „Ai, doas eas ma doch de Eahre fiel ze fiel! Asch sai nua e aales, moachares Huingel, groad noch fea e dinne Soppe göut, un Aaja lääje, doas ka asch aach nit mie. Gie ma da fut un freass ma doch den aale Giggel do, wann´s da raascht eas, dea eas suwisuu baal dro un raif fean Kochgrobbe!“ Und die Henne trippelte gackernd davon.

„Ean Giggel freasse? Doas deet ma da groat gefann!" - grummelte Reineke in sich hinein und bedankte sich bei der alten Henne für deren gute Empfehlung. Frohen Mutes schnürte er seines Wegs dorthin, wo er sich des Gockels zu bemächtigen trachtete. An seinem Blute wollte er sich köstlich laben. „Häi, Giggel, komm doch emool bai misch!" - suchte er den Gockel mit freundlicher List zu locken. „Worim?" - krähte der Gockel missmutig zurück. „Asch will däi Blöut säffe!" - verriet Reineke sein Verlangen. „Wäi, döu weat mai Blöut säffe!?" - fuhr der Gockel für den Moment eines flüchtigen Lidschlages auf. Dann, mit einem prasselnden Flügelgeflatter, ließ er Reineke auf der Stelle - eins, zwei, drei - um dessen Ohren wissen, wie es um die Angelegenheiten des Blutsaufens im Geviert des Hühnerhofes bestellt war.

Mit einem Male schaute Reineke drein wie der Bauer, dem der Blitz aus heiterem Himmel just mit grollendem Donner in die Sense geschlagen hatte. Seine Pracht und Herrlichkeit waren auf dem Misthaufen darnieder geworfen. Aber kaum, dass er sich aus dieser Pein aufgerappelt und neu besonnen hatte, sperrte er wieder sein gieriges Maul auf und ließ seine grausigen Zähne aufblitzen, dass allein der Schrecken davor jedermann den Tod hätte bringen können. So doch nicht dem Gockel. Wie die Henne fürchtete er weder den Fuchs noch den Tod, wohl aber den Unfrieden, den Reineke über den Hof gebracht hatte. Und so wollte er sich den gebührenden Respekt verschaffen, wie es einem Gockel zur Würde geziert. Geschwind flatterte er auf seinen Misthaufen hinauf und scharrte hinterrücks allen Mist und Dreck hervor, geradewegs in Reinekes aufgesperrten Rachen hinein. „Do heste edst dai Blöutsäffe! Lang da doch däi Gense, wann de groat su´n uuflerischde Hunga und Doschd hest!" - spottete der Gockel von hoher Warte herab. Und mit strammen, majestätischen Paradeschritten, wie es kleine Offiziere gerne tun, wenn sie einen Sieg ihr eigen glauben dürfen, stolzierte er nach vollendeter Schlacht davon.

„Gense!? - Doas sillt ma doch ean gruuse Schbass mache!" - lachte Reineke in sich hinein und bedankte sich bei dem Gockel für dessen gute Empfehlung. Er aber rotzte und kotzte und schüttelte den Dreck aus seinem Maul heraus, dass es weithin nur so schnaufte und so schniefte. Dann machte er sich mit leisen Pfoten auf den Weg, die Gänse mit seiner Aufwartung beglücken zu wollen. Aber diese wurden seines heimlichen Kommens gewahr: „Guggd emool, de Reineke kimmt un will ois duudmache!" - rief lachend eine Gans. Und alle watschelten herbei. „Wäi schie he doch im Päls gewässe eas!" - spöttelte eine andere, denn nach der Attacke des Gockels war es um ihn als eine Zierde seines Geschlechtes und seinem hohem Stande nicht zum Besten bestellt. Doch derlei Hänselei freilich nicht genug. Eine blutjunge Gans bot ihm sogar noch ihre Liebe an: „Asch kinnt groad Aaja merrem gelääje!" - seufzte sie, und die Gänse stimmten gar noch ein spöttisches Liedchen in der Art der vornehmen Leute an: "Gans Du hast den Fuchs erwischt, lass ihn nie mehr aus, steck ihn in den Schweinekoben, mach ihm den Garaus."
 
Nun, aus mehrerlei Erwägungen heraus mochte Reineke diese Schmähungen und Spott nicht auf sich beruhen lassen; wurde dem Schlaukopf doch ob seiner Kühnheit und Verstandeskraft seit altem Gedenken stets Achtung und Ehrfurcht dargebracht. „Asch will each Mores lean, woar´es hääst, ean aale Foks ze uuze!" - zürnte Reineke. Und abermals zeigte er seine grausigen Zähne. Doch die Gänse wie die Henne so der Gockel fürchteten Reineke und den Tod auch nicht. Sie purzelten und trampelten über ihn hinweg, zupften und zausten seinen Pelz, dass es ihn nur so zwickte und so zwackte. Nur mit einem kühnen Sprung auf eine wackelige Bohnenstange gelang es ihm, sein Schicksal zu wenden und sich aus ärgster Bedrängnis vor den garstigen Schnabelhieben der Gänse zu retten. „Lang da doch de Däwwe foom Dach, wann de da grot suu´n uufleerischde Hunga hest!" - schnatterten die Gänse hinterdrein und watschelten in ihren Weiher, und sie ließen sich's dort wohlergehen.

„Däwwe!?" - Geringerer aber auch nicht minder leckerer konnte eine Fuchsmahlzeit wahrlich nicht mehr ausfallen! So unterließ er auch weitere Dankesbezeugungen gegenüber dem Schnattervieh, zumal er augenblicklich wahrlich andere Widrigkeiten zu bewältigen hatte. Gleich einer Vogelscheuche im Wind wankte Reineke nunmehr auf der Bohnenstange hin und her und schnappte nach einer leckeren Taubenmahlzeit. Doch nichts als laue Luft bekam er zu reißen und zu beißen. Bald peinigten ihn arge Blähungen und ein Bauchgrimmen stellte sich ein, dass er von sich glauben mochte, er stürbe bald. Doch wie zuvor die Henne, der Gockel so auch Gänse fürchteten die Tauben ebenfalls weder Reineke noch den Tod. Auch sie hatten einen tollen Spaß mit ihm. Keck und frech schwirrten sie um seinen Kopf herum, sausten an seinem gierig schnappenden Maul vorbei, dass ihm noch elender wurde. „Woas sisch´s de da do uuwe of dea Buuneschdang erim, wuu de doch häi unne of de Ea de Hoinga un de Gense gefreasse kaast?" - lachten die Tauben Reineke aus, der sich nunmehr in seiner Peinlichkeit und Lächerlichkeit vollends gewahr wurde und den Tauben zürnte: „Asch will each de Hälse rimdriä!" - brüllte er gen Himmel, ganz entgegen seiner sonst so geachteten vornehmen Art und Gestalt. „Do misst´e uschdemool doas Fläie lean, su wäi de Habischd, guggemool!" - gurrten die Tauben zurück und entschwanden mit einem elegantem Bogen hoch oben im weiten, blauen Himmel.

Selbst mit Gottes Hilfe und unter Anrufung der vierzehn Notheiligen war der Schande nicht mehr beizukommen. Zwar hatte ihn der Allmächtige mit allerlei Künsten ausgestattet, deretwegen er reichlich gerühmt wurde, aber als er die Kunst des Fliegens ersonnen hatte, musste er doch anderen Sinnes gewesen sein als es Reineke jetzt im Stillen wünschte. Geschwind machte er seinem mit reichlichem Kummer erfüllten Aufenthalt in luftiger Höhe ein Ende und sauste beherzt zu Boden. Dann trottete er, mit grimmiger und garstiger Wut unterm Pelz, zurück in den Hühnerhof. Dort erhoffte er sich endlich sein Fressen, wenn auch dürr und mager, in Gestalt der alten Henne, wie er sie schon einmal im Maule gehabt hatte. Auf diese gierte nunmehr sein ganzes Sinnen und geiferndes Trachten. Aber er fand die Henne nicht mehr lebendigen Leibes vor. Blutübergossen und mit zerzausten Federn lag die Henne unter einem Beerenstrauch meuchlings niedergestreckt.

Reineke wusste sich darauf keinen Reim zu machen. Da flog eine Taube herbei, ließ sich auf einem Zweig des Beerenstrauches nieder, und erzählte dem Fuchs, was geschehen war: „Doas woa dea Giggel!" - gurrte die Taube - „Dea het doas Huingel duudgepekt, wail doas Huingel deam Giggel de Foks geschischd hat." „Wäi kunnt dea Giggel doas da wesse?" - fragte Reineke die Taube. „Mia huu´s deam Giggel heannerim faroore." - antwortete die Taube und entschwand hoch oben im weiten, blauen Sommerhimmel. „Woas lait ma droo!" - knurrte er in sich hinein; besann er sich doch wieder des Gockels. Dessen Grobheiten trachtete er nun mit gleicher Münze heimzuzahlen. Schnurstracks folgte er seiner alten Fährte zur Mistkaute, dorthin, wo er den Gockel noch saftigen Leibes wähnte. Doch wie die Henne so weilte auch der Gockel nicht mehr unter den Lebendigen. Mit durchnässtem Gefieder lag der stolze Chef des Hühnerhofes wenige Schritte seines Misthaufens entfernt am Rande des Weihers ertränkt.

Erneut wusste Reineke sich darauf keinen Reim zu machen. Da flog eine zweite Taube herbei, setzte sich auf einen Stein und erzählte Reineke, was geschehen war: „Doas woan däi Gense!" - gurrte die Taube - „Däi huu´n Giggel ie´s Wassa geschdumbt und ärsoffe, wail dea Giggel den Gense de Foks geschischd hat." „Wäi kunnte däi Gense doas da wesse?" - fragte Reineke die Taube. Mia huu´s den Gense heannerim faroore." - antwortete die Taube, und entschwand hoch oben im weiten, blauen Sommerhimmel. So blieben ihm nur noch die Gänse. An ihnen wollte er sich jetzt seinen Rachen vollschlagen, jedoch mit List zu Werke gehen. Im Gewand als Bräutigam wollte er es mit der liebestollen Gans noch einmal wagen, so seine messerscharfe Idee, und hierbei gleich in aller Seelenruhe die ganze Sippschaft zum Hochzeitsmahl bitten. Doch auch diese List sollte ihm nicht mehr zu Nutze sein. Auch die Seelen der Gänse waren längst gen Gottes Himmel gefahren. Ihre kalten Leiber lagen mit geborstenen Köpfchen und zerbrochenen Flügelchen in einem Massengrab unter Tausenden von Kieselsteinen begraben.

Einmal mehr wusste Reineke sich keinen Reim darauf zu machen. Da flogen alle Tauben herbei, setzten sich der Reihe nach auf die Bohnenstange und erzählten Reineke, was geschehen war: „Doas woan mia!" - gurrten die Tauben im Chor - „Mia huu däi Gense äas de Loft met Schdeescha duutgeschloo, wail däi Gense ois Däwwe de Foks geschischd harre." Da überkam ihn ein große Ratlosigkeit. „Ai, härr asch ma doas Huingel doch glaisch gefreasse!"- jammerte Reineke in tiefer Not und finsterer Betrübnis. Mit eingezogener Rute und hechelnder Zunge streunte er verwirrt und mit einem großen Schrecken über den Hühnerhof. Derlei Leichen wollte er dann doch nicht auf seine Kappe nehmen wie er die Flinte des Bauern auf das Schlimmste befürchtete.

So nahm er all seinen Mut zusammen, sich seines Elendes vor Gott, dem Landrat und dem Hahn des Hessischen Justizministers einzugestehen, und fraß sich sodann wie eine um ihren Verstande ringende Schlange vom Schwanze her selber auf, bis nichts mehr von ihm war, nur sein großes Maul, das blieb von ihm übrig. Es konnte sich ja schlecht noch selber fressen. So war es auch um Reineke geschehen. Die Tauben unterdessen hatten sich auf sanften Flügeln vom Ort des blutigen Geschehens erhoben und im blauen Sommerhimmel sich noch eines schönen Tages vergnügt, bis dass der Habicht ihrer gewahr wurde. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.


„Hallo Hallöchen, wer bist´n Du?“ - „Ich bin das Guggemool“ - erwiderte der Alte. „Ha, dass ich nicht lache, man sieht es auch so!“ - spottete sie angesichts der sonderlichen Erscheinung des Alten. „Einen anderen Namen habe ich nicht, und dort, von wo ich herkomme, macht niemand ein großes Aufsehen daraus.“ - „Und von wo kommst Du?“ - fragte sie mit erhobenem Kopf und hochgezogenen Augenbrauen. „Ich komme aus dem Land der schiefen Bäume“ - antwortete zögernd das Guggemool, nunmehr mit der Befürchtung, erneut die komplizierte Beschaffenheit seines fernen Landes um die Sonne herum und die Sache des Mondes sowie sich selbst erklären zu müssen. Doch die Wirtsfrau war einzig wissbegierig nach dessen Bäumen und weniger nach dem Lande Guggemools aus, von dem sie keinen Begriff hatte, weil es nirgendwo in einem Telefonbuch mit einer Postleitzahl zu finden oder auf einer Rechnung geschrieben war.

„Und wozu braucht man diese Bäume in Deinem komischen Land?“ - zeigte sie sich erstaunt, wo doch die Wurzenau mit schlanken in die Himmel aufragenden und praktischen Hochspannungsmasten auf den Rübenäckern reichlich gesegnet war. „Ach, wenn es sie nicht gäbe, wüssten die Vögel nicht, worauf sie sitzen sollten, und dann sprechen ihre Blätter mit dem Wind und zeigen das Wetter an, und wenn der Regen kommt, geben sie den Zicklein ein Obdach, und im zeitigen Frühjahr decken sie den Tisch den Hummeln und den Bienen und erfreuen mit ihren duftenden Blüten die Herzen der Leute, und wenn der Herbst ins Land geht, beschenken sie uns mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen“ - schilderte das Guggemool in einem Atemzug die umfangreichen Aufgaben der schiefen Bäume.

„Whow! Und was bekommen die Bäume dafür?“ - suchte die Wirtsfrau im Moment des Erstaunens nach einer Antwort, um ein Geschäft dahinter auszurechnen. „Nichts ...“ - sagte das Guggemool - „ … nichts, außer unserer Liebe und unserer Bewunderung bekommen sie nichts.“ - „Und was schleppst Du da im Rucksack mit dir herum?“ - fragte sie, nunmehr frech in der Hoffnung auf ein ebenso kostenloses Geschäft wie das der schiefen Bäume, und ihre Neugierde stand ihr doch bis hoch oben auf ihrer Nasenspitze geschrieben. „Ach, nur Steine, nichts als bunte Steine ...“ - wiegelte das Guggemool für das Erste die Wirtsfrau ab, war ihm doch der Streit gegen Mittag noch in frischer Erinnerung. „Was denn, nur bunte Steine!?“ - entgegnete die Wirtsfrau, der die Angelegenheit wie auch die Sache mit den schiefen Bäumen nicht mehr geheuer war. „Gewiss doch, nur bunte Steine“ - suchte das Guggemool sich abermals herauszuwinden. „Aber es wird schon noch etwas Besonderes damit sein!?“ - setzte die Wirtsfrau forsch nach. „Nun ja, es hat mit den Steinen schon etwas auf sich, aber sie verlangen von sich aus auch keinen Lohn, nur unser Erstaunen, doch sie können Streit unter die Leute bringen“ - erwiderte zögernd das Guggemool und fuhr fort: „Es sei denn, ein jeder bekommt seinen gerechten Teil, das Glück damit zu machen.“

Wie denn dieses Glück zu machen sei, wollte die geschäftige Wirtsfrau jetzt beharrlich wissen. „Je nun, das Dumme im Augenblick des Glückes ist seine Vergänglichkeit, so müsst ihr immerzu das Schweigen und das Staunen hüten!“ - antwortete das Guggemool. „Wie das, wo wir doch eben das Sprechen wieder gefunden haben!?“ - herrschte die Wirtsfrau mit sichtbarem Widerwillen im Gesicht auf. Doch das Guggemool wandte mahnend ein: „Das Schweigen ist die höchste Kunst des Sprechens!“ Es müsse vor dem Lärm der Geschwätzigen wie das stille Staunen vor den Geschäftigen versteckt gehalten werden, betonte das Guggemool und fuhr fort: "Die Schweigsamen sind es, die am Ende das Wort haben." Das wollte die Wirtsfrau sich zu Herzen nehmen und versprach, das Glück wie das Staunen zu hüten und es mit allen zu teilen. So kam es, dass das Guggemool für einen Schluck Wasser und einen Kanten Brot seinen Rucksack der Wirtsfrau schenkte. Sie möge so tun, wie sie es versprochen habe. Dann ging das Guggemool davon.

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