hinna gans
mannes häas
hemba räas
hunnat hemba
hinna gans
mannes häas
henge räas
räas mäas
beaste räas
 









huschemool hie
wan imma de weata 
im geplärr faraike 
präerje de daabschdumme 
dn läare krescha
ea laises duurelied
guggemool hie



hör einmal hin / wann immer die wörter / im geplärre verrecken / predigen die taubstummen / den lauten Kreischern / ihr leises totenlied / guck einmal hin.

Dichten im Dialekt - Anthologie sprachwissenschaftlicher und literarischer Beiträge, Marburger Literaturrtag, Hrsg: Armin Klein, Heinrich J. Dingeldein und Joachim Herrgen, Jonas Verlag, Marburg 1985, ISBN 3-922561-46-2.


Der Tod der Mutter Käthe

Das Hinterland ist arm an guten Nachrichten und reich an armen Leuten, alten Hirschwechseln, schlanken Rehen, bulligen Mufflonköpfen und süffigem Bier inmitten verborgener Mythen und frömmelnden Kirchgängern. Wilddieberei ist unter Nachbar-schaften kein Thema wie die Fremdgeherei auch nicht, sofern man früh gelernt hat, mit dem geduckten Niederwild vor Gott, dem Wirtshaus und der Obrigkeit das Maul zu halten. Von Heimat redet dort keiner, nur von einem Daheim, das zwischen leeren Sparkassenkonten, aber-gläubischem Hexenglauben und harter Knochenarbeit täglich neu unter stillen Tränen erstritten werden muss. Und die einzige Fahne, die dort der Heimat voraus weht, das ist die Fahne nach acht Pils und reichlichem Doppelwacholder. Heinrich war dieser Frömmelei stets ferngeblieben. Je mehr man daran glaube, um so mehr verfalle man der Verdammnis in Angst und Schrecken, ein dem lieben Gott gefälliges Leben versäumt zu haben. Ein Himmelreich, dessen unergründliches Jenseits der irdischen Schrecken bedürfe, sei mit der Liebe Gottes nicht unter einen Hut zu bringen und vergleichbar den Verheißungen eines bunten Versandhauskataloges, dessen angepriesenen Ratenzahlungen mit weiteren Zinsen in Rechnung gestellt würden, gleich dem fommen Mahnverfahren des Pfarers, in göttlicher Eigenschaft als Gerichtsvollzieher, stets rechtzeitig den Herrn anzurufen, um angesichts der angehäuften Sündenlast Abbitte leisten zu müssen. Wer keinen Schnaps trinkt, gilt dort als stolz, und sie sind alles andere als stolz, und sie finden immer einen Grund, um sich einreden zu können, dass es über den Tag hin eines Schnapses bedürfe, um für den kommenden Tag in der Hoffnung gerüstet zu sein, ein von weit her kommender Fremder werde es schon richten, wobei nicht ausgemacht ist, in welcherlei Oben und Unten der nächste Tag beginnt.

Der Tod der Mutter Käthe -  Vom Tod und vom Aberglauben, von Untoten und Gespenstern, vom Schnee, dem Wind und der Frömmelei, unveröffentlicht, Foto und Cover: Malte Sänger, Bad Vilbel / Angelburg 2018/19.

Huschemool & Guggemool

Als das Männchen einige hundert Schritte später die Dorfmauer von Liewletrod hinter sich gelassen hatte, stieß es am Wegrand auf einen vermoderten Wurzelstock, dessen Unterseite sich in nasser Fäulnis darbot. In den Kuhlen des faulenden Holzes hoffte es auf Wasser, auf das es seit Stunden schon dürstete und das ihm im Wirtshaus so grob verwehrt worden war. Mit bloßen Händen begann es das moderige Holz aufzubrechen, das, je tiefer es fasste, tatsächlich eine kühle Feuchte, gar noch eine Quelle verhieß. Doch plötzlich sprach ein leises aber barsches Stimmchen aus dem Holzstumpf heraus:
„Was hast du da zu kratzen!?“
„Ich suche eine Handvoll Wasser zu finden, wenn´s recht ist!?“, antwortete das Männchen und blickte mit Erstaunen um sich. Das Stimmchen müsse aus einem Versteck gekommen sein, mutmaßte das Männchen, doch war ringsum keine Gelegenheit vorhanden, aus der heraus ein Versteck sich hätte machen lassen, erst recht nicht für einen Menschen.
„Wo steckst Du?“
„Unter einer Wurzel, hier unten im faulen Holz!“, rief es aus dem moderigen Stumpf zurück.
„Was denn, im Holz!?“
„Sehen kannst du mich nicht, aber dafür gut hören!“, antwortete das Stimmchen.
„Ja, gewiss doch, ich höre, aber sag mir, wer Du bist?“, wollte das Männchen nun doch wissen.
„Und wer bist denn Du?“, antwortete prompt das Stimmchen mit einer barschen Gegenfrage aus dem Stumpf heraus.
„Ich bin das Guggemool, nichts weiter, und komme aus dem Land der schiefen Bäume“, sagte das Männchen, und es war ihm für den Augenblick auch nichts Besseres eingefallen.
„Und wo, bitteschön, liegt das Land der schiefen Bäume?“ wollte das Stimmchen auf der Stelle wissen.
„Ach, gleich hinter den Ländern, links am Firmament, und dann noch einmal rechts um die Sonne herum “, beschrieb das Guggemool mit einer weit ausladenden Geste gen Himmel das ferne Land „und dann noch ein Stückchen weiter.“
„Aha!? - Aus so einem um die Sonne herum gewickelten Land kommst Du?“, entgegnete das Stimmchen und war doch sehr erstaunt über diese verschlungene Gegend hoch oben im weiten Himmel jenseits des Wurzenauer Landes.
„Ei, hätte ich doch nur mein Maul gehalten“, grummelte das Guggemool in sich hinein. Das mit den schiefen Bäumen, mit der Sonne und so, werfe nur unnütze Fragen auf, deren weitere Antworten sich danach auf das Komplizierteste fortsetzten. Gewiss, es hätte auch sagen können, es komme aus dem Land der singenden Schafe oder der fliegenden Postboten. Aber da es sich für den Moment nun einmal derart festgelegt hatte, suchte das Guggemool das Beste daraus zu machen, zumal das Stimmchen beharrlich nach Antworten suchte.
„Und was ist mit dem Mond, wenn er abends der Sonne in die Quere kommt?“
„Nichts, gar nichts! Wir binden ihn einfach an Stangen fest, wie es die Puppenspieler machen, damit er nicht runter fällt, denn er ist ein wenig tölpelhaft, und die Sterne machen sich einen Jux aus ihm. Sie haben ihn glauben lassen, er sei der Bürgermeister am Firmament, weshalb sie ihm den Namen „Grüßgottaugust“ gegeben haben. Auch sonst weiß er nichts mit sich selber anzufangen. Mal ist er vollgefressen und dick, dann so dünn wie ein am Hungertuch nagender krummer Strich. Und dann warten wir bis die Sonne aufwacht und ihn wieder abholt“, erläuterte das Guggemool die etwas komplizierte Handhabe um das Dasein des Mondes.
„Und was ist mit den Sternen?“, forschte das Stimmchen weiter nach.
„Was soll schon mit den Sternen sein? Sie schauen uns zu und wir beschenken sie mit unserem stillen Staunen“, sagte das Guggemool und fügte mit erhabenem Stolz hinzu:
„Und dann machen sie uns ein funkelndes Dach, und wenn der Sommer sich zum August hin begibt, dann entzücken sie uns mit tausenderlei Sternschnuppen am Firmament.“
„Und von was reden die Leute so, wenn sie mal das Staunen und die Sternschnuppen leid sind, nur mal so, und auch dann für den Fall, wenn die Wolken kommen?“, fragte das Stimmchen.
„Dann reden sie vom Wind, wenn er kommt und die Wolken vor sich her schiebt, wie er in die Schornsteine saust, unter den Dachziegeln pfeift, mittags Staub aufwirbelt und abends die Türen schlägt, frühmorgens die Wäsche aufplustert und am Nachmittag über die Kornäckern geht, die Hüte von den Köpfen weht und die Bäume zerzaust, weshalb sie so schief sind“, erläuterte das Männchen mit hoch gezogenem Atem die gelegentlichen Unarten des Windes. „Streiten tun sie nicht?“, setzte das Stimmchen leise und mit einer bangen Frage nach.
„Ach was, wer streitet schon mit dem Wind“, wandte das Guggemool mit einem leichten Achselzucken ein, „der kommt mit dem Regen und geht mit der Sonne, so wie es die Schwalben machen. Mal fliegen sie tief unten über die Talauen hinweg, mal hoch oben im Sommerhimmel, gerade so, wie es ihnen mit dem Wetter kommt.“
„Da magst Du wohl recht haben“, entgegnete das Stimmchen, „aber ich bin das Wörtchen Huschemool und einst im garstigen Streit davon gegangen.“
„Wie das!? Und was machst Du hier im faulen Holz?“, fragte das Guggemool erneut mit einem großen Erstaunen. Denn es waren doch mit einem Mal mehr Fragen als Antworten über diese seltsame Begegnung binnen weniger Minuten entstanden, derenthalben sich das Guggemool niedersetzte und seinen schweren Rucksack beiseite stellte, um seine ganze Aufmerksamkeit dem Huschemool zu widmen.
„Ich will´s Dir erzählen, aber es ist eine traurige Geschichte“, antwortete mahnend das Huschemool, „nur musst Du mich hierfür aus dem Holz nehmen.“
„Und wie soll ich dies tun, bitteschön!?“, fragte das Guggemool, wo doch das Huschemool jedem Augenschein unsichtbar war.

Huschemool & Guggemool, Auszug, Satire auf die Lokalpolitik in Vilbel, der Stadt ohne Bad, veröffentlicht in vielerlei Kopien des Spottes und der Boshaftigkeit, 2016.

Top