hinna gans
hemba räas
mannes häas
henge hunnat
hunnat hemba
hinna gans
mannes häas
henge räas
beaste räas



Open Air Fest im Hinterland
Schloss Breidenstein 1981, Plakat: Wolfgang Rudelius.

Lesungen

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De Kwäddschehannes foom Hinnalaand

Dies ist die Ballade vom zweimaligen Begräbnis des Wegewärters Hannes und seinen Pflaumenbäumen recht frei und im artigen Vers nach dem Motiv des Herrn von Ribbek auf Ribbek im Havelland von Theodor Fontane.

De Kwäddschehannes foom Hinnalaand
Der Quetschenhannes vom Hinterland
Woa jerem Keand un Roawe bekaant
War jedem Kind und Raben bekannt
He gaal d ́n Loire alls dumm un farreggd
Er galt den Leuten immer dumm und verrückt

Wail he de Kwäddschekärna hat alls faschdeggd
Weil er die Quetschenkerne hat immer versteckt

Links un raaschts de Schossee näas
Links und rechts die Chaussee hinaus

Koame im Froijoa werra Kwäddschebeeme räas
Kamen im Frühjahr wieder Quetschenbäume heraus
 

Kean Mensch kunnt sufiel Kwäddsche easse
Kein Mensch konnte soviel Quetschen essen

Su harre se ́m de Beeme alls werra äasgereasse
So haben sie ihm immer wieder die Bäume ausgerissen
Doch koam de Härbst met saim goldne Lischd
Doch kam der Herbst mit seinem goldenen Licht

Un do harre werra all sai Kwäddsche geschdichd
Und da hatte er wieder alle seine Quetschen gesteckt

Su ging doas da Joa und Doag fea Joa dohie
So ging das dann Jahr und Tag für Jahr dahin

Groat äasgeräasse moschd de Hannes se werra nie
Gerade ausgerissen macht der Hannes sie wieder rein
 
Es half ́m ke Schealle un ke Schmess
Es half ihm kein Schimpfen und keine Schmiss
Berre aalt woa un duut imfäil - of ́r dorre Wess
Bis er alt war und tot umfiel – auf ́ner dürren Wies

Deat harre se ́n met all sain Kwäddsche begroawe
Dort hatten sie ihn mit all seinen Quetschen begraben

Un im Härbst schu schalle de Roawe
Und schon im Herbst schimpften die Raben
Edst deet ́s im Weanta oon Kwäddsche gnunk feeln
Jetzt tät ́s im Winter an Quetschen genug fehlen

Säi misste bain Hoinga da ́s Freasse schdeeln
Sie müssten bei den Hühner dann das Fressen stehlen
 
Un aach däi Kean woan goschdisch oom Plärrn
Und auch die Kinder waren garstig am Plärren

Se härre däi Kwäddschemennscha goa su gärn
Sie hätten die Quetschenmännchen gar so gern

Doas woa den Loire da aach nit raascht
Das war den Leuten dann auch nicht recht

Säi sääre: de Hannes woa goanit su schlaaschd
Sie sagten: der Hannes war gar nicht so schlecht

Un kreeschte do all e schlaaschtes Geweasse
Und kriegten dann alle ein schlechtes Gewissen
Se harre jo lang näad mie ke Kwäddschehuink geasse
Sie hatten ja lange nicht mehr kein Pflaumenmus gegessen
 
Do harre se ́n Hannes werra äas de Wesse gegroawe
Da hatten sie den Hannes wieder aus der Wiese gegraben

Un of ́n Kerschehoob ie ́n Kwäddschebaamsarsch gehoowe
Und auf dem Kirchhof in einen Quetschenbaumsarg gehoben
Un äas ́m Kwäddschebaamsarsch äas dungla Groft
Und aus dem Quetschenbaumsarg aus dunkler Gruft
Raiggte im Froijoa werra Kwäddscheraisa ie de Loft
Reckten im Frühjahr wieder Quetschenreiser in die Luft

Un wäi da de Härbst koam werra merrem goldne Lischd
Und wie der Herbst kam wieder mit dem goldenen Licht

Räif ́s äas ́m Groab: „Edst wean de Kwäddsche geplischd!“
Rief ́s aus dem Grab: „Jetzt werden die Quetschen gepflückt!“
 
Ma kunnt ́n Hannnes un sai Kwäddsche nit faschdegge
Man konnte den Hannes und seine Quetschen nicht verstecken

Nit im Groab nit un nit de Schossee noab farregge
Nicht im Grab nicht und nicht die Chaussee hinab verrücken

Un jeerem woa gnunk gedoo - den Roawe un den Kean
Und jeden war genug getan – den Raben und den Kindern

Doch baal koam Schdrait of un werra woa alles oom Scheann
Doch bald kam Streit auf und wieder war alles am schimpfen

Im näawwe Aldi goabs heefwais Kwäddsche ze kaafe
Im neuen Aldi gab ́s haufenweise Quetschen zu kaufen

Niemeds breachte mie noom Hannes sain Beeme ze laafe
Niemand brauchte mehr nach Hannes Bäumen zu laufen
 
Do huu se ́m werra all sai Beeme äasgereasse
Da haben sie ihm wieder all seine Bäume ausgerissen

Un deam Hannes sai Kwäddsche fea imma fageasse
Und dem Hannes seine Quetschen für immer vergessen

Of sai Groab koam hie e schwiare, grooe Bäddongplatte
Auf sein Grab kam hin eine schwere, graue Betonplatte

Drof schdaan: Häi lait dea ́s merren Kwäddsche hatte
Drauf stand: Hier liegt der es mit den Pflaumen hatte



























Entwurf: Unbekannter Künstler, Design Studio Raggl, Landeck / Innsbruck 1984
Österreichischer Kulturservice, Wien, Arge Region Kultur & Internationales Dialektinstitut
für regionale Sprachen und Kulturen.
























 
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