hinna gans
hemba räas
mannes häas
hunnat hemba
hinna gans
mannes häas
henge räas
räas mäas
beaste räas
 


"Die köpferne Enge macht das Leben öffentlich, unterwirft es der dörflichen Anpassung und durchdringt weite Bereiche des Privaten und bestimmt ihre Hierarchie und Anerkennung im sonntäglichen Tragen ihrer Uniformen. Und schon der Versuch der Abgrenzung stößt auf Argwohn und Spekulationen krankhafter Erscheinungsformen, dergestalt, dass ihnen zum Schluss nichts anderes bleibt, als sich einander verworren zu machen. Was ihnen noch fehlt, das ist eine Katastrophe, um sich dem Wohlgefallen ihrer Obrigkeiten sicher zu sein."

Gemorje Hinnerlaand - Lieder, Lyrik und Burlesken, Gruppe Odermennig, Langspielplatte, Text und Rezitation, Langspielplatte,Regie: Alwin Michael Rueffer, Produktion: Quadriga-Ton, GEMA Qu 90931984 (DNB) Leipzig SA 86/04589).

Kulturmodelle in der Provinz
- Folk- und Volksmusikfestival, Ton- und Textdokumentation, Literaturtage in Niederösterreich, Internationales Dialektinstitut, Hrsg. Hans Haid, Eggenburg / Wien 1984.

Dichten im Dialekt, Anthologie sprachwissenschaftlicher und literarischer Beiträge, Marburger Literaturtag 1985, Armin Klein, Heinrich Dingeldein, Joachi m Herrgen (Hrsg), Jonas Verlag Marburg 1985, ISBN 3-922561-46-2.

Klaus Schlosser, Radierung 1986 Aus: "schwortswaise raabooche" (1987).
Gedichtzyklus "Vom Suff, Geschrei und Stiefeln im Kreuz".
(Privatbesitz des Autors).

Hessisch, Mundarten aus Kurhessen und Waldeck, aus Nassau und Oberhessen, vom Main und aus Starkenburg, Langspielplatte (Privatpressung), Regie: Alwin Michael Rueffer, Organisation: Wilhelm Ochs, Produktion: Robert Netekoven.

schwortswaise raabooche, Radierungen Klaus Schlosser, mit Beiträgen von H.J. Dingeldein und Peter Härtling, Jonas-Verlag, Marburg, 1987, ISBN 3- 92-2561-53-5.

Deheem - Odermennig und das Hinterland, Fernsehfilm, Text und Rezitation, Regie: Wolfgang Würker, Sendereihe Nachtlicht, Produktion: Hessischer Rundfunk, Frankfurt 1988.

Grenzenlos, Anthologie, Übersetzungen aus Werken von Hans Haid, Julian Dillier und Ludwig Soumagne, Verlag Van Acken, Krefeld, 1988, ISBN 3-923 140-31-2.

Die Litanei, Anthologie, Übersetzung des gleichnamigen Werkes von Ludwig Soumagne, Band 1, Van Acken Verlag, Krefeld,1988, ISBN 3-923-140-32-0.

Handbuch Hessischer Autoren, Anthologie des Verbandes Deutscher Schriftsteller (VS), Autoren in Hessen, dipa-Verlag, Frankfurt, 1993, ISBN 3-7638-0197-0.

Deutsche Mundarten an der Wende, Anthologie deutschsprachiger Dialektautoren, Hrsg. Bernd Diebner, Rudolf Lehr, Verlag Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg,1995, ISBN 3-929-295-18-0.

Geschichten aus unserem Dorf  (1296 - 1996), Günter Debus. In Zusammenarbeit mit Elisabeth und Inge Debus mit Beiträgen von Karsten Breuer, Wilhelm Düringer, Kurt Sänger, Christof Schuster und Adam Studer, Aachen/Angelburg 1996, ISBN 3-00-001109-9.

In der Zwischenzeit, Regina Klein, Dissertation, tiefenhermeneutische Fallstudien zur weiblichen Verortung im Modernisierungsprozess 1900 - 200, hier: Beiträge Gedichte, Psychosozialverlag, Gießen 2003, ISBN 978-3-89806-194-0.

Heimatklänge - Dialekt in Deutschland, Bembelsänger, Dippegucker und Ossenköppe, Dialekt und regionale Identität in Hessen, Ulrike Köppchen, Hessischer Rundfunk, 2004.

Hinterländer Totentanz, Erster Gesang, Gönnernsche Ode an den Tod, Europäischen Totentanz-Vereinigung, Danses Macabres d´ Europe, Text zum Thema Tod, Fotos mit Rudolf Kraft, Düsseldorf, ISSN 168 7962, 2004, und "schwädds", Zeitschrift für Mundart Nr. 31, Mundartgesellschaft Würrtemberg, Reutlingen, 2013.

Moiserisch Emil, von der Dienlichkeit der Dummheit und davon, wer wem die Bestimmungen bestimmt, zweisprachige Kindergeschichte mit Illustrationen von Leonore Poth, CoCon Verlag, Hanau 2017, ISBN 978-3-86314-333-6.


Liewletrod war in ein noch tieferes Elend gefallen, tiefer noch, als es das Guggemoool gegen Mittag vorgefunden hatte. Zwei kleine Goldklümpchen, gerade noch soviel, dass man daraus hätte Sonntagsknöpfe machen können, waren ihnen verblieben. Selbst die Hennen in den Brombeergärten, die sie im Rausch ihres Festgelages allesamt gebraten und verschlungen hatten, waren nicht mehr herbeizubringen, danach fortan Schmalhans Küchenmeister ihre täglichen Mahlzeiten bestimmte und sie zu Handkäs mit in Essig eingelegten Zwiebeln und saurem Wein verdammte. Stumm starrten sie sich einander an und suchten sich des Guggemools zu erinnern und daran, was ihnen erneut geschehen war. Aber ihre Mäuler blieben wie der Verstand und die Mägen ein für alle Mal leer. Da machte die Wirtsfrau sich auf, das Guggemool zu suchen, um wenigstens noch den Reichtum der Wörter statt des verlorenen Goldes und der geschlachteten Hennen heimzubringen.

Das Sonnenlicht war aus den Pflaumengärten gewichen und die Nacht hatte gegen die zwölfte Stunde Liewletrod in grauen Nebel eingesponnen. Aus den Dachgiebeln huschten die Eulen wie ehedem hinaus wie auch der Fuchs wieder durch die Winkel und Gassen auf Beute schnürte. Mit eiligen Schritten und wehender Kittelschürze strebte die Wirtsfrau im aufsteigenden Mond dem Feldrain zu, wo sie alsbald, abseits des Weges in einem dornigen Gestrüpp, des Alten fündig wurde. Aber weil sie sich bitterlich schämte und deshalb nicht wagte, das Guggemool um Rat zu bitten, wie das erneute Schicksal zu wenden sei, hielt sie sich im Finsteren des Strauchwerkes versteckt in der Hoffnung, wenigstens dessen Wörter zu erhaschen. Doch so sehr sie lauschte, mit offenem Maule und weit heraus gestreckter Zunge auf ein zweites Wunder hoffte, es gab kein einziges Wörtchen mehr aufzuschnappen. Das Guggemool und das Huschemool waren einzig damit beschäftigt, in stiller Andacht dem seufzenden Nachtlied eines Gimpels zu lauschen, der sich mit einem kargen und klagenden „Djüblidüh“ über sein grau gefiedertes Weibchen beschwerte, das mit einem bunten Distelfinken noch allerlei verspätete Techtelmechtel vollbrachte. Nun, währenddessen, es entwich dem Guggemool unbemerkt und knatternd ein lauter Furz. Diesen nahm die Wirtsfrau sogleich begierig auf als einen vernehmlichen Ton, den sie zu vermehren dachte und auf ihrer Zunge eilig zurück in die Schankstube tragen wollte.
 
Doch des bösen Endes nicht genug. Aus einem im Nebel verhangenen Holunderbusch des Weges entlang des Reddins sprang plötzlich die um ihre Hochzeit geprellte weiße Hexe hervor und spuckte der Wirtsfrau allen Unrat und galligen Speichel ins Gesicht geradewegs auf ihre noch herausgestreckte Zunge. Danach verschwand die Hexe mit einem hell kichernden Glucksen im Wasser des Reddins. Derlei in großem Schrecken entsetzt, dass ihre Zunge im offenen Maule versteifte und ihre Augen die eines Frosches aufquollen, rannte sie mit pochendem Herzen zur Schankstube. Dort harrten die Liewletroder in bitterem Schweigen und bangem Warten und mit ebenso herausgestreckten Zungen versunken ihrer Ankunft aus. Allein, es kam zum Entsetzen aller nur dieser eine Furz mit einem angehauchten, flötenden „Djüblidüh“ über ihre Lippen, ein Tonfall, der alsbald in ein krächzendes Gemurmel mündete, einem rülpsenden Grunzen ähnlich, das sich sogleich mit gallig grünem Speichel der Mäuler aller bemächtigte und je nach der vermögenden Tonkunst der Einsilbigen wie der Schwätzer und der Waschweiber, sich in allen geräuschvollen Variationen als nunmehrige Sprache auf den Zungen der Liewletroder niederschlug.

Es war eine einfache Sprache herausgekommen, eine Sprache zwischen saurem Wein und seifigem Handkäs, eine Mundart, von der die Spötter in den Wurzenauer Nachbarschaften behaupteten, sie erinnere an eine Halskrankheit mit entsprechenden Ausdünstungen. Aber sie reichte allemal aus, die Dinge des täglichen Lebens zu besorgen, so auch vor Gericht, dem krähenden Hahn des Justizministers und im Gemeinderat. Doch man fügte sich und schlurfte zu Bette wie auch der brave Tischlermeister Trenkel das Licht in seiner Werkstatt ausknipste und mit einem deutlich vernehmbaren „gute Nacht“ zu seinem schon schlummernden Weibe ins Bett kroch, das aber mit einem sanften Lächeln erwachte.

„Ei, Trenkel, seit wann kannst denn du auf einmal so reden?“ Und sie war nicht minder erstaunt über sich selbst, weil auch sie des Sprechens wieder teilhaftig geworden war. „Sei still, Frau, damit´s keiner hört“ - flüsterte er ihr ins Ohr. Ergriffen von derlei Glück strich sie über sein Haupthaar und hielt abermals inne: „Und was leuchtet denn da in deinen Haaren?“ - „Ach, vielleicht noch Hobelspänchen“ - antwortete er schon schlaftrunken. Doch im einfallenden Mondschein durch das Oberlicht der Schlafkammer funkelten in seinen Haaren Hunderte kleine Goldlöckchen auf. „Mach die Vorhänge zu, damit´s keiner sieht“ - murmelte schlaftrunken Trenkel und fuhr mit einem tiefen Gähnen fort: „Das war gewiss das alte Männchen, das mir den bunten Stein heute Mittag geschenkt hat.“ Und beide fielen in einen langen und von bunten Träumen umsäumten Schlaf. Den Morgen darauf sperrte Trenkel seine Werkstatt in Liewletrod für immer zu. Er richtete bei der Wurzenauer Sparkasse ein Bankkonto ein und ging mit seiner Frau auf eine Weltreise. Und beide wurden nie mehr gesehen wie auch das Guggemool und das Huschemool mit allen Wörtern in Liewletrod für immer verstummt war.

Doch immer dann, wenn der späte Herbstwind mit dem Zug der Kraniche von den Vogelsbergen über das Wurzenauer Land und nach Liewletrod herab streicht und über die Rübenäcker geht, trägt er ihre Geschichte ins Land. Dann flüstern die Leute sich in den Dörfern heimlich ein „Huschemool“ zu und erzählen sich hinter vorgehaltener Hand, wie es einst den Liewletrodern ergangen war und wie das Guggemool und das Huschemool mit einem Rucksack voller Wörter zurück in das Land der schiefen Bäume gegangen seien, wo sich die Wörter mit dem Gesang der Morgenvögel vermählt hätten und wo das Gold mit der Abendsonne verschmolzen sei. Dort sollen sie noch ein reiches Leben im Erzählen und im Lachen gefunden haben. Und wenn sie sich hierbei nicht totgelacht haben, dann sollen sie noch heute noch lachen.


Strukturwandel und Negation desselben.


Wu weate da dn Haawaa nit hie hu hä?
Wo willst du denn den Heuwagen nicht hin haben hä?


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Einmal wurde der Autor befragt, warum er den einen oder anderen Text nicht einem besonderen Menschen widme. Er grübelte lange nach, fand aber keinen. Vielleicht mein Bruder Karl Erich, sagte er nach einer Weile. Schon in früher Jugend habe er es verstanden, junge Raben aus dem Nest zu heben und zu zähmen. Dann habe er in unvorstellbarer Geduld versucht, die Weisheit einer Krähe zu ergründen. Er verstarb unerwartet und ohne Hinterlassenschaften und Zeugnisse seines Wissens. Am Tag der Grablegung seiner Urne überflog schweigend ein Pulk Raben die Trauergemeinde. Sie hatten es sich nicht nehmen lassen, noch einmal in Karl Erichs Namen auf die Trauerhüte der Hinterbliebenen zu kacken.
 

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