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Lebensbilder und Wörtergeschichten
"Zuerst sind sie high, dann matt - Highmatt"
Hartmut-Bart Engebarth

Einen Dialekt "Hessisch" gibt es nicht

Hessisch als gemeinsames sprachliches und kulturelles Merkmal aller Hessen gibt es nicht. Der heute irrtümlich als Hessisch verstandene Dialekt entspricht dem Sprachgebrauch des Südhessischen in der Metropolregion Rhein-Main. Ein rheinfränkischer Mischdialekt, der unter Dialektologen heute als

Internationale Buchmesse Frankfurt
Ttreffpunkt der Sprachen und Kulturen, Autorenfoto 2010

„Neuhessisch“ - spöttisch auch "RMV-Deutsch" oder "Metropolenhessisch" - bezeichnet wird als ein vergleichsweise moderner Dialekt, dessen regionaler Einfluss gegenwärtig bis weit in das Mittelhessische (Zentralhessen) reicht und die alten oberhessischen Dialekte der Wetterau sowie des Vogelsberges überdeckt und einschließt.

Die Dialekte in Hessen gliedern sich sprachgeschichtlich in mehrere voneinander abweichenden Kernbereiche mit fließenden Übergängen und Mischdialekten. Aufgrund der geschlossenen politischen Einheiten bildeten sich insbesondere in Hessen eigenständige Dialekträume heraus, deren Grenzen in der Regel nicht überschritten wurden, was zur Verfestigung kleinräumiger Sprach- und Kulturlandschaften im Gegensatz zur freien Stadtentwicklung führte. Im Norden wird Niederhessisch, bzw. Niederdeutsch "gesprochen", im Osten Thüringisch und Ostfränkisch, in Zentralhessen Oberhessisch, das noch einmal im Westfränkischen sprachgeschichtlich eine gesonderte Stellung einnimmt. Im Süden beherrschen das Rheinfränkische und Hessen-Nassauische die Zungen, das heute im Neuhessischen einen Sprachraum von Aschaffenburg bis Mainz und Wiesbaden, von Gießen bis Darmstadt erfasst.
 
Eine besondere Bedeutung in der kulturellen Entwicklung Hessens kam Ende des
17. Jahrhunderts mit dem Zuzug der aus Frankreich vertriebenen protestantischen Hugenotten und Waldensern zu. Hessen wurde ein Einwanderungsland für religiös und politisch Verfolgte. Es kam zu Neugründungen zahlreicher Städte und Siedlungen in den Provinzen Hessens. Noch prägender war der französische Einfluss auf die Dialekte infolge der Französischen Revolution und des Machtstrebens Napoleons. Zahlreiche Lehnwörter und Redewendungen entlang den ehemaligen Rheinprovinzen bestimmen heute noch die Dialekte im Rheinlandpfälzischen, im Rheinhessischen und im Südhessischen bis weit ins Mittelhessische hinein. Das „Schäszelong“ (Chaiselongue) oder die „Schossee“ (Chaussee) mit seinem „Schondärm“ (Gendarm) wie das Frankfurter „Schardengsche“ (Jardin, kleines Gärtchen) mögen als Beispiele hierfür stehen.

Heute sind es die Anglizismen und die Sprache des Internets. Längst gehört das „Daunloare“ einer „Wäbsaire“ zum dialektalen Wortschatz, sehr zum Leidwesen der Dialektpuristen, Heimat- und Brauchtumsschützer, deren Bestreben im steten sozialen
und kulturellen Wandel einer offenen Gesellschaft auf die Probe gestellt wird. In allen hessischen Kommunen bestehen neben der Standardsprache als Hauptsprache und den Dialektvarietäten der Alteingesessenen verschiedene Fremdsprachen. Spanisch, Griechisch und Italienisch sowie Türkisch bestimmen die weiteren Sprachebenen im Sinne eines „Code-Switching“ die Alltagskommunikation.

Des Weiteren gehören Englisch und Französisch zum Schulstandard, werden Fremdsprachen aufgrund von Urlaubsreisen erworben. Nicht nur bereichern „Pizza“ und „Döner“ die regionalen Speisekarten. Die veränderten Sprachlandschaften bilden neue kulturelle Identifikationsmerkmale aus übernommenen und neu hinzu gewonnenen Merkmalen und Werthaltungen im Alltag aus, demnach die lokalen Dialekte in regionale Ausgleichsprachen münden mit weiterhin erkennbaren regional gefärbten Lautformen.



Substandard und Dialekt
Eine Herausforderung für Heimat- und Brauchtumsschützer.
Autorenfoto, Wetterau 2010.

Der einst in sich geschlossene Arbeitsplatz "Dorf" als sprachlicher und kultureller Lebensmittelpunkt ist historisch bereits mit Beginn der Industriealisierung im 19. Jahrhundert und der Entwicklung des modernen Verkehrswesens zum 20. Jahrhundert obselet geworden und ausgestorben. Aus dieser Retrospektive einer volkstümelnden Krähwinkelei heraus heute eine Leitkultur für morgen zu begründen, das ist mehr als nur ideologischer Mumpitz. Eine solche "Kultur" ist zutiefst menschenverachtend, macht den anders Sprechenden in einer offenen und liberalen Gesellschaft mundtot und schließt jede weitere regionale Sprachentwicklung und kulturelle Identitätsfindung und Teilhabe aus, indem sie ideologische Parallelgesellschaften etabliert, in deren Verständnis selbst der Religionsstifter des Abendlandes als christliche Leitkultur mit seinem aramäischen Dialekt keinen Platz haben dürfte.

 
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