hinna gans
hemba räas
mannes häas
henge hunnat
hunnat hemba
hinna gans
mannes häas
henge räas
beaste räas



Wann´s raant, gie ma heem

  Wenn´s regnet, gehen wir heim 
Wann´s nit raant, blaiwe ma häi
  Wenn´s nicht regnet, bleiben wir hier  
Raant´s nit un ma hu ke Lost
  Regnet´s nicht und wir haben keine Lust
Gie ma aach heem
  Geh´n wir auch heim 
Raant´s, breache ma suwisu nit ze blaiwe
  Regnet´s, brauchen wir sowieso nicht zu bleiben 
Gie ma da heem un wesse nit
  Gehen wir dann heim und wissen nicht  
Woas ma da mache sinn
  Was wir dann machen sollen 
Kinnte ma jo aach glaisch häiblaiwe
  Könnten wir ja auch gleich hierbleiben 
Feräasgesast es raant nit
  Vorausgesetzt es regnet nicht

















Highmatt oder das ewige Ufftattawumm
Uschd sai se high un da sai se matt - Highmatt
Zuerst sind sie high und dann sind sie matt - Heimat
Klaus Schlosser, aus "schwortswaise raabooche", Jonas Verlag, Marburg 1987.


hest de woas                                    prallfoll met
 
hast du etwas                                     prallvoll mit
beast de noch
lang näad                  äbbel un bian 
  bist du noch
lange nichts                     Äpfel und Birnen
beast de woas                                   lait de unnan
 
bist du etwas                                       liegt der Nachmittag
kaast de aach                                    im batsch
  kannst du auch                                    im Morast (Dreck)
nit alles glaisch kräie                        un de kall
 
nicht alles gleich kriegen                       und der Karl
oom beste eas                                   bleest´s Saggsefoon
 
am besten ist                                       bläst´s Saxophon
döu hest goanäat                               dozöu prallfoll
 
du hast garnichts                                  dazu prallvoll
un nimmst da doas                             met degge bagge
  und nimmst dir das                                mit dicken Backen
woas de kräie kaast                           un lesst sai hoinga 
  was du
kriegen kannst                           und lässt seine Hühner
da beast de doas                                i de meastkäate                                
 
dann bist du das                                    in der Mistkaute
woas de hest                                       tango daanse
 
was du hast                                            Tango tanzen


Anmerkungen zur Ungleichzeitigkeit der kulturellen und sprachlichen Ebenen.

Hessisch als gemeinsames sprachliches und kulturelles Merkmal aller Hessen gibt es nicht. Der heute irrtümlich als Hessisch verstandene Dialekt entspricht dem Sprachgebrauch des Südhessischen in der Metropolregion Rhein-Main. Ein rheinfränkischer Mischdialekt, der unter Dialektologen heute als „Neuhessisch“ (spöttisch auch "RMV-Deutsch" oder "Metropolenhessisch") bezeichnet wird als ein vergleichsweise moderner Dialekt, dessen regionaler Einfluss gegenwärtig bis weit in das Mittelhessische (Zentralhessen) reicht und die alten oberhessischen Dialekte der Wetterau sowie des Vogelsberges überdeckt und einschließt. Die Dialekte in Hessen gliedern sich sprachgeschichtlich in mehrere voneinander abweichenden Kernbereiche mit fließenden Übergängen und Mischdialekten. Aufgrund der histor-
isch territorial geschlossenen politischen Einheiten

(Kleinstaaterei) bildeten sich insbesondere in Hessen eigenständige Dialekträume heraus, deren Grenzen in der Regel nicht überschritten wurden, was zur Verfestigung kleinräumiger Sprach- und Kulturlandschaften im Gegensatz zur freien Stadtentwicklung führte.
 
Eine besondere Bedeutung in der kulturellen Entwicklung Hessens kam indessen Ende
des 17. Jahrhunderts mit dem Zuzug der aus Frankreich vertriebenen protestantischen Hugenotten und Waldensern zu. Hessen wurde ein Einwanderungsland für religiös und politisch Verfolgte. Es kam zu Neugründungen zahlreicher Städte und Siedlungen in den Provinzen Hessens. Aber noch prägender war der französische Einfluss auf die Dialekte infolge der Französischen Revolution und des Machtstrebens Napoleons.

Zahlreiche Lehnwörter und Redewendungen entlang den ehemaligen Rheinprovinzen be-
stimmen heute noch die Dialekte im Rheinlandpfälzischen, im Rheinhessischen und im Südhessischen bis weit ins Mittelhessische hinein. Das „Schäszelong“ (Chaiselongue) oder die „Schossee“ (Chaussee) mit seinem „Schondärm“ (Gendarm) wie das Frank-
furter „Schardengsche“ (Jardin, kleines Gärtchen) mögen als Beispiele hierfür stehen. Heute sind es die Anglizismen und die Sprache des Internets. Längst gehört das „Daunloare“ einer „Wäbsaire“ zum dialektalen Wortschatz, sehr zum Leidwesen der Dialektpuristen, Heimat- und Brauchtumsschützer, deren "rischdisches Platt" im steten sozialen und kulturellen Wandel auf die Probe gestellt wird.

Angesichts der Entwicklung der Mobilität im Zuge der Industrialisierung durch den Bau
der Eisenbahnen und den damit verbundenen teilweise radikalen Veränderungen der ländlichen Arbeits- und Lebenswelten sowie der Neuordnung der Verwaltungsebenen nach den preußischen Annexionen 1866 in Hessen haben diese alten Dialekte ihren öffentlichen Verkehrswert verloren und wurden schon früh sprachlichen Angleichungen unterworfen, nicht zuletzt durch das Schulwesen und durch das Aufkommen standardsprachlicher Lo-
kalzeitungen wie durch die spätere Entwicklung des Rundfunks und des Kinos mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer am öffentlichen Leben teilhaben wollte - und musste - war neben dem lokalen Basisdialekt (Topolekt) auf den Erwerb des Standardeutschen angewiesen.   

Heute bestehen In allen hessischen Kommunen neben der Standardsprache als Haupt-
sprache und den Dialektvarietäten der Alteingesessenen verschiedene Fremdsprachen. Spanisch, Griechisch und Italienisch sowie Türkisch der Migranten und ehemaligen Gastarbeitern bestimmen die weiteren Sprachebenen im Sinne eines „Code-Switching“
die Alltagskommunikation. Des Weiteren gehören Englisch und Französisch zum Schul-
standard, werden Fremdsprachen aufgrund von Urlaubsreisen erworben. Nicht nur be-
reichern „Pizza“ und „Döner“ die regionalen Speisekarten. Auch verändern sie die Sprachlandschaften und bilden neue kulturelle Indentifikationsmerkmale im Alltag aus.

Einen absolut reinen Dialekt - wenn es ihn denn jemals gegeben hat - gibt es nicht mehr wie der Arbeitsplatz „Dorf“ als kultureller und sprachlicher Lebensmittelpunkt ausge-
storben ist. Die Dialektsprecher sind heute alle bilingual ausgerichtet. Je nach Sprechsitu-
ation werden die verschiedenen Sprachebenen genutzt, im öffentlichen Leben das Stan--
darddeutsche, im privaten Raum überwiegen noch dialektale Sprechweisen, wenn auch diese im Wortschatz selbst wiederum Anpassungen unterliegen. Dies gilt auch für das Hinterländer Platt im Nordwesten Mittelhessens, wie es hier in seiner Ausprägung des Breidenbacher Grundes am Oberlauf der Lahn zum Ausdruck kommt.

Das Hinterländer Platt

Das Hinterländer Platt, eine Varietät des Oberhessischen, zählt noch zu den älteren Dialekten in Hessen, deren Strukturen noch teilweise aus dem Althochdeutschen ableitbar sind und deren Lautsystem noch mit dem Mittelhochdeutschen verbunden ist. Der für fremde Ohren eigentümlich klingende Dialekt gehört den westmitteldeutschen-fränkischen Sprachgruppen an. Er bildet eine Brücke zwischen dem mittelhessischen wie rhrein-
fränkischen Süden sowie dem niederhessischen und niederdeutschen Norden. Das stimmlose "s" wird zu "sch“ verschliffen, das "r" als retroflexes Zungen-"r" ( mit der Zunge an den Gaumen gedrücktes gerolltes "r" ) gesprochen. Zu den weiteren Besonderheiten gehört der Wandel der stimmlosen Laute "k", "p" und "t" zu stimmhaften "g", "b" und "d", sowie das Verschleifen des "er" zu "a" vor allem in der Endsilbe (Wetterau - Wearrera).

Besonders auffällig sind die sogenannten gestürzten Diphtonge. Die mittelhochdeutschen fallenden Zwielaute "ie", "üe", und "uo" erscheinen als steigende Zwielaute "äi", "oi" und "ou". Alle Diphtonge werden eindeutig betont, so dass es nicht zu einer Verwechselung beispielsweise von "ai" und "äi" kommt. Der Laut zwischen "a" und "o" wird durch "oa" realisiert. Der Buchstabe „v“ wird zum „w“ oder „f“ je nach dem Lautstand des Wortes (Vogel - Fuchel, Blumenvase - Bleammewase) und "äu" und "eu" wird zu "oi" (Kräuter - Groira, Leute - Loire).

Für Dialektautoren stellt die Verschriftlichung ein Problem dar. Viele Autoren orientieren sich an Standards des Dudens, um eine leichtere Lesbarkeit für Dialektfremde zu er-
schließen. Hierbei verlassen sie jedoch die Lautgestalt ihrer Dialekte, was ja gerade den literarischen Reiz gegenüber der Standardsprache ausmacht. Andere Autoren orientieren sich an einer Lautschrift, die aber nur wenige beherrschen, zudem geht das Schriftbild im gedruckten Wort verloren. 

Bei den Texten auf dieser Seite wird eine Kompromisslösung angewandt, die ausgeht vom hörenden Schreiben ins Wort, das dem Lautstand sehr nahe kommt und in seiner Fremd-
artigkeit bestehen bleibt aber durch simultane Übersetzungen im Text ergänzt wird, wo-
durch eine erste sprachliche Orientierung ermöglicht wird, um Sprachbarrieren beim Lesen zu überbrücken.





Als Hessisches Hinterland wird die Re-
gion mit Kerngebiet des ehemaligen Land-
kreises Biedenkopf (heute Landkreis Mar-
burg-Biedenkopf) im Nordwesten Mittel-
hessens am Oberlauf der Lahn bezeich-
net. Zum Großherzogtum Hessen-Darm-
stadt gehörend erhielt der aus Darmstädter
Sicht fernab gelegende Landflecken den
Beinamen Hinterland. Kennzeichnend
für diese Region sind die noch zahlreichen
Topolekte (Ortsdialekte), deren lebendige
Vielfalt unter dem Begriff Hinterländer Platt
erfasst wird.



  Territoriale Gliederung des Hinterlandes zwischen 1815 - 1866 mit den Zentren
  Biedenkopf, Battenberg und Gladenbach im Großherzugtum Hessen-Darmstadt.

 
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